Hartmut Mehdorn
Finale eines verbissenen Hitzkopfs

Bahnchef Mehdorn ist nicht dafür bekannt, sensibel vorzugehen. Ob im Tarifkonflikt mit Gewerkschaftsführer Manfred Schell oder im Streit mit Politiker um den Börsengang - hat Mehdorn ein Ziel vor Augen, verfolgt er es ohne Rücksicht auf Verluste. Im Datenskandal wird dem Topmanager sein Dickkopf womöglich zum Verhängnis.

Bahnchef Hartmut Mehdorn hat alles daran gesetzt, um heute nicht im Verkehrsausschuss zum Datenskandal in seinem Unternehmen aussagen zu müssen. Sogar der Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn AG, Werner Müller, bat den Ausschussvorsitzenden Klaus Lippold um Nachsicht. Doch der blieb hartnäckig – und auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee bestand auf die Befragung Mehdorns.

Nun also muss der 66-Jährige vor jene Politiker treten, die er selbst abfällig als „sogenannte Experten“ tituliert hat und die immer wieder sein großes Ziel vereiteln wollten: den Börsengang der bundeseigenen Bahn. Im Oktober, als es an den Finanzmärkten krachte, platzte der Traum tatsächlich. Mehdorn sei Tage lang deprimiert gewesen, berichten Wegbegleiter. Mehdorn besitzt die Statur und das Wesen seines Vorbilds Napoleon: Hat er ein Ziel vor Augen, verfolgt er es ohne Rücksicht auf Verluste. Als die Lokführergewerkschaft GdL 2007 mehr Geld forderte, stieß er mit Manfred Schell auf einen Gewerkschaftschef, der ebenso dickköpfig ist. Mehdorn wollte seine Börsenstory auf keinen Fall gefährden und Schell gewinnen lassen. Der Kampf dauerte ein Jahr und endete nur, weil ihn der Personalvorstand für Mehdorn beendete. Sensibles Vorgehen ist nicht seine Sache – das zeigte sich auch, als Mehdorn das Preissystem ändern wollte oder als Tickets im Automaten billiger als am Schalter sein sollten. Selten sah der Bahnchef die Wut der Kunden voraus.

Maschinenbau hat er gelernt, und Flugzeuge steuert er gern. Doch jetzt befindet sich Mehdorn im Sinkflug und kann nur noch versuchen, sein Andenken zu retten. Warum wurden Mitarbeiter jahrelangohne Anfangsverdacht wegen möglicher Korruption überprüft, ohne dass der Betriebsrat oder der Datenschutzbeauftragte unterrichtet waren? Die Parlamentarier wollen Antworten. „Warum hat Mehdorn die ganze Zeit nichts unternommen?“, fragt der SPD-Politiker Uwe Beckmeyer. Immerhin seien Konten von Mitarbeitern überprüft worden und Unterlagen zu den Vorgängen verschwunden: „Das sind Abgründe“. Kannte Mehdorn sie wirklich nicht? Die neue Bundesregierung wird im September genau überlegen, ob sie an Mehdorn festhalten will.

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent
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