Hartmut Mehdorn wird 70
„Ich gehöre zu den kleinen Dicken, die was aushalten“

Der frühere Bahn- und heutige Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn wird 70. Sein kometenhafter Aufstieg ist mit Querelen gespickt. Rückschläge halten den Manager nicht auf - und Mehdorn musste einige verkraften.
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KölnDie Äußerung zu seinem Amtsantritt als Chef bei Air Berlin ist typisch für ihn: "Ängstlich war ich noch nie, schwierige Aufgaben haben mich auch noch nie geschreckt", sagte Hartmut Mehdorn vor knapp einem Jahr. Im Kampf gegen die wirtschaftliche Schieflage von Deutschlands zweitgrößter Airline dürfte der frühere Chef der Deutschen Bahn, der am Dienstag 70 Jahre alt wird, freilich einen langen Atem brauchen. Immerhin sei "die Talsohle durchschritten", gab sich Mehdorn im März zuversichtlich bei der Vorstellung der Air-Berlin-Jahresbilanz, die seit 2008 rote Zahlen aufweist.

Mehdorn ist ein Macher, er liebt es, unter Druck und gegen alle Widerstände zu arbeiten. Denn so kometenhaft Mehdorns Aufstieg in den vergangenen Jahrzehnten war, so viele Querelen musste der Manager aushalten. Am bekanntesten wurde er den Bürgern als langjähriger Chef der Bahn - auf diesem Posten saß er von 1999 bis 2009. Gehen musste er, als bekannt wurde, dass die Bahn systematisch in den Daten ihrer Mitarbeiter herumgeschnüffelt hatte.

Mehdorns größtes Projekt, der Börsengang der Bahn, ist bis heute nicht verwirklicht: Die ursprünglich schon 2006 geplante Teilprivatisierung fiel der Finanzkrise zum Opfer, der Börsengang wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. 2006 scheiterte Mehdorn auch mit dem Einstieg beim Hamburger Hafen.

Der in Warschau geborene und in Berlin aufgewachsene Manager empfahl sich aber meist mit klugen unternehmerischen Entscheidungen - "wir können noch viel mehr, wenn man uns nur lässt", sagte Mehdorn 2007. Ein Beispiel: Die Übernahme des kalifornischen Logistikunternehmens Bax Global. Damit konnte die Bahn auch Logistikriesen wie der Deutschen Post Konkurrenz machen.

Bei allen Bemühungen über die Herrschaft auf Schiene und Straße: Mehdorns unternehmerische Heimat ist die Luftfahrt. 1966, nach einem Ingenieursstudium, begann er als Entwicklungsplaner der Vereinigten Flugtechnischen Werke in Bremen. 1974 baute er hier am ersten Airbus mit, dem A300. Nach mehreren Stationen in der Branche war er von 1992 bis 1995 Vorstandsmitglied der Daimler-Benz-Aerospace.

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  • Er, der kleine Dicke hat es auch immer geschafft, mehrhunderte Menschen auf seiner Schleimspur durch Deutschlands Wirtschaft festzukleben oder ausrutschen zu lassen.
    Als Chef der Heidelberger Druckmaschinen AG, hat ihn wohl kaum einer in guter Erinnerung, weder die Mitarbeiter, noch die kleinen Kunden!
    Seine Welt war immer die "Grosse Weite Welt". Die Macht ist sein Ziel, und so schaffte er es immer "ordentlich aufzuräumen". Was interessieren ihn ein paar hundert Jobs. Er ist nun mal der Mann fürs Grobe!

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