Hartmut Meine scheitert mit Kandidatur für den Vizechefposten der IG Metall
Der Tarifprofi hat sich verschätzt

Die Farbe Rot hat ihm diesmal kein Glück gebracht. Bei jeder Tarifrunde im IG-Metall-Landesbezirk Niedersachsen holt Hartmut Meine eine rote Krawatte aus dem Schrank. Für den Tarifprofi ist dies sein persönliches Zeichen dafür, das es ernst wird. Die Krawatte, die am Montag um seinen Hals baumelte, war zwar nicht komplett rot, aber enthielt doch mehr als Spurenelemente der Farbe. Zufall dürfte das nicht gewesen sein. Tatsächlich ging es für Meine um viel.

DÜSSELDORF. Als einer von zwei Topfavoriten für den stellvertretenden Gewerkschaftsvorsitz der IG Metall ging der 55-Jährige am Montag in die Vorstandssitzung von Europas größter Einzelgewerkschaft. Doch erst als sich nach stundenlangen Beratungen im 22-geschössigen Hochhaus der Gewerkschaft in Steinwurfnähe zum Main die Vorstandstüren wieder öffneten, stand fest, dass der 55-Jährige seine Kampfkandidatur gegen nordrhein-westfälischen Bezirkschef Detlef Wetzel verloren hatte.

Die Niederlage von Meine ist auch ein Schlag für den bisherigen Gewerkschaftschefs Jürgen Peters. Meine gilt als enger Vertrauter von Peters, dem er an die Spitze des IG-Metall-Landesverbandes in Hannover nachfolgte. Lange hatte der Hildesheimer mit sich gerungen, ob er überhaupt antreten sollte. Nur selten und dann eher leise äußerte Meine seine Ambitionen auf den Stellvertreterposten an der Spitze der einflussreichen IG Metall. Sein Argument: Lieber der erste Mann in Niedersachsen als der zweite auf Bundesebene. Als es darauf ankam, schwenkte er um. Signale, er könne es schaffen, hatten ihn dazu ermutigt.

Die öffentliche Debatte im Vorfeld der Wahl stilisierte das Ringen um den Stellvertreterposten zum Richtungsentscheid. Dem Niedersachsen Meine fiel die Rolle als Bewahrer der reinen IG-Metall-Lehre zu. Konkurrent Wetzel gelang es, sich als Modernisierer stilisieren. „Das ist Quatsch“, sagt Wolfgang Jüttner, SPD-Fraktionsvorsitzender in Niedersachsen. „Meine vertritt die Interessen seiner Mitglieder kämpferisch, aber nicht fundamentalistisch. Der kann nun einmal für seine Leute was rausholen.“

Seit 20 Jahren führt Meine Tarifauseinandersetzungen. Er weiß, dass dazu auch gehört, einstecken zu können und Niederlagen in Siege umzumünzen. Das Verhandlungskonzept, mit dem er in die Gespräche über eine Sanierung von VW mit dem Management ging, wird er sich nun wohl auch persönlich zu Eigen machen: Doppeltes K nannte er die Strategie: Konflikt und Kompromiss. Er scheue keinen Streit, um seinen Zielen Nachdruck zu verleihen, suche aber den Kompromiss, um ein tragfähiges Ergebnis zu erzielen, heißt es aus dem Umfeld des Tarifprofis. Dem ruhigen und zuverlässigen Verhandlungspartner platzt selten einmal der Kragen – ein charismatischer Redner ist er indes eher nicht. „Hart in der Sache, aber mit beiden Beinen in der Realität“, charakterisierte ihn vor Jahren mal ein Gewerkschaftskenner.

Entsprechend gut kommt er bei seiner Hausmacht, den niedersächsischen Metallern an. Und auch die anderen Gewerkschaften blicken neidvoll auf eine Tarifpolitik, die sich nicht in den Höhe von Tarifen und Löhnen erschöpft, sondern auch Weiterbildung und Qualifizierung der Mitarbeiter in den Vordergrund rückt. Die Metallunternehmen zwischen Emden und Göttingen stehen ihrem natürlichen Gegner mit gemischten Gefühlen gegenüber. Sein schnelles Handeln bei Sanierungsverträgen loben sie. Gegen den Willen der Betriebsräte nahm er in solchen Fällen Lohneinbußen hin und sicherte Arbeitsplätze. Längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich sind dagegen für Meine ein Tabu, an dem er nicht rütteln lässt. „Granit ist dagegen butterweich“, sagt Dietrich Kröncke, Hauptgeschäftsführer der niedersächsischen Metall-Arbeitgeber.

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