Hauptversammlung
Eon-Chef rückt in Bertelsmann-Aufsichtsrat

Der Vorstandschef des Energiekonzers Eon, Wulf H. Bernotat, ist in den Aufsichtsrat des Medienkonzerns Bertelsmann berufen worden. Die Personalie wird als Stärkung der Position der Eignerfamilie Mohn gewertet, die drei Viertel der Anteile halten.

GÜTERSLOH. Der 57 Jahre alte Bernotat ersetzt im Aufsichtsrat Christian van Thillo, den Vorstandschef der belgischen Mediengruppe De Persgroep. Die Amtszeit von Van Thillo war abgelaufen. Der langjährige Aufsichtsratschef Dieter Vogel sagte: „Wulf Bernotat steht für eine langfristig orientierte Unternehmensstrategie, die auf profitable Kerngeschäfte und nachhaltige Wertsteigerung setzt − und damit gut zu Bertelsmann passt.“

Im Mittelpunkt der Hauptversammlung am heutigen Montag steht die Frage, ob die Groupe Bruxelles Lambert (GBL) des Investors Albert Frere zu Beginn des kommenden Jahres einen Börsengang verlangen wird. Eine Entscheidung stand noch aus. GBL wollte auf Anfrage einen möglichen Börsengang nicht kommentieren. Ob es womöglich im Laufe des Dienstags eine Erklärung geben wird, ließ eine Sprecherin der Brüsseler Finanzholding offen. GBL hält 25 Prozent an der Bertelsmann AG.

Derzeit ringt die Mohn-Familie mit dem ungeliebten Mitgesellschafter Frere, ob es zu einem Börsengang kommen wird. „Am Ende entscheidet nur das Geld“, sagte ein Bertelsmann-Insider dem Handelsblatt. Im Gegensatz zu früheren Beteuerung der Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn setzt die Unternehmerfamilie alles daran, eine Börsennotierung des Gütersloher Medienkonzerns zu verhindern. Ein Rückkauf der Anteile ist aber teuer. Derzeit wird in Unternehmenskreisen von einem Preis von unter vier Mrd. Euro für die 25-prozentige Beteiligung ausgegangen.

Frere, der einstige Stahlbaron, lässt sich unterdessen nicht in die Karten schauen. Der geschickte Finanzstatege kann frühestens am Dienstag einen Börsengang verlangen. Ob es dazu kommen wird, ist derzeit noch offen. Der Vorstand ist unterdessen für beide Optionen vorbereitet. Die Führungsmannschaft um Thielen gilt als geschlossen. Die Arbeitsatmosphäre wird als harmonisch beschrieben. Allerdings tritt der Vorstand gegenüber den Mohn nicht immer selbstbewusst auf.

Konzernchef Gunter Thielen verbreitet seit Monaten den Eindruck von Gelassenheit. Schließlich würden selbst bei einem Börsengang die Geschicke des Konzerns weiterhin von der Familie unter Führung von Liz Mohn bestimmt. „75 Prozent sind 75 Prozent“, sagte auch Bertelsmann-Aufsichtsrat und Konzernbetriebsvorsitzender Erich Ruppik bereits vor Monaten. Es gilt als offenes Geheimnis, dass der Vorstand einem IPO durchaus aufgeschlossen ist. Denn dadurch würde der Handlungsspielraum des Konzerns erweitert und die Einflussnahme der Matriarchin Liz Mohn beschränkt.

Mit börsennotierten Unternehmen hat Bertelsmann in der Vergangenheit keine schlechten Erfahrungen gemacht. Der Fernsh- und Radiokonzern RTL Group ist seit Jahren an der Börse notiert. Allerdings liegt der Anteil der frei handelbaren Aktien unter zehn Prozent. Der in Luxemburg ansässige Konzern ist der größte Gewinnbringer im weit verzweigten Bertelsmann-Imperium. GBL hatte vor fünf Jahren für knapp 30 Prozent seiner Anteiler an RTL die Beteiligung an der Bertelsmann AG erhalten. Die Familie wird neben Thielen auch vom neuen Finanzvorstand Thomas Rabe beraten. Der in Luxemburg geborene und in Brüssel aufgewachsene Manager war zuvor Finanzchef bei der RTL Group.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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