Hauptversammlung
Neuer SAP-Chef hat große Aufgaben

Es dauerte während der Hauptversammlung von SAP am Dienstag ein wenig, doch dann kam sie: die Frage nach der Zukunft: "Ist SAP nun endgültig zweiter Sieger geworden hinter Oracle? Müssen Sie nun mit IBM oder Microsoft zusammengehen, um in diesem Umfeld noch mithalten zu können?", rief Jenna Beller-Heinacher, Sprecherin der Aktionsvereinigung DSW, dem Vorstand des Softwarekonzerns in der SAP-Arena in Mannheim zu.

MANNHEIM. Die Aktionäre sind längst nicht mehr die einzigen, die sich Gedanken um den weiteren Weg des langjährigen Vorzeigeunternehmens machen. Mit ein Grund ist die Übernahme des Hardware-Herstellers Sun durch SPAs Erzrivalen Oracle. Marktforscher und Analysten fragen sich seitdem mehr denn je, ob SAP nicht mit IBM oder Microsoft zusammengehen muss, um im Wettlauf um Kunden mithalten zu können.

Die entscheidende Person der SAP-Hauptversammlung ließ diese Frage gestern unbeantwortet. Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner schwieg zu dem Thema. Stattdessen versuchte Leo Apotheker, nach dem gestrigen Ab-schied von Henning Kagermann nun alleiniger SAP-Chef, die Debatte um einen möglichen Verkauf etwas einzufangen. "Wir bleiben beim Kerngeschäft mit betriebswirtschaftlicher Standardsoftware. Mit 70 Milliarden Dollar ist das ein Markt mit einem enormen Potential", konterte er. Auch Microsoft-Chef Steve Ballmer und IBM-Software-Chef Steve Mills hatten die jüngsten Gerüchte um SAP bereits als Spekulationen bezeichnet.

Verstummen werden die Gerüchte wohl nicht. Zu sehr steht SAP ungeachtet aller operativen Erfolge strategisch unter Druck. Eine Kombination aus SAP und IBM oder Microsoft sieht auf dem Papier verlockend aus. Und viele Anteilseigner haben noch das mittlerweile fünf Jahre alte "Geständnis" der SAP-Gründer im Kopf, man habe mit Microsoft über einen Verkauf verhandelt. Zwar wurden die Verhandlungen damals abgebrochen, weil die Integration zu komplex war. Doch seitdem hat sich die Welt in der Informations-Technologie komplett verändert. Die einst verdammten Mega-Übernahmen sind hoffähig geworden.

Es ist vor allem der Oracle-Chef und SAP-Widersacher Larry Ellison, der die Debatte um die weltweite IT-Landschaft angefacht hat. Zwar wird seine mehr als sieben Mrd. Dollar schwere Übernahme des Hardware-Herstellers Sun in der Branche immer noch kontrovers diskutiert. Einige Experten, darunter auch SAP-Chef Apotheker, sehen darin eine Rückkehr in die IT-Strategie von vor 20 Jahren, als Konzerne wie IBM alles aus einer Hand anboten. Die meisten Experten werten aber genau das als Voraussetzung für ein Überleben in der Zukunft. Denn in der werden IT-Leistungen immer häufiger aus dem Netz genutzt und nicht auf einzelnen Rechnern vorgehalten. Cloud-Computing oder Software as a Service heißt der neue Trend.

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