Heftige Diskussion wird öffentlich ausgetragen
Fonds setzen Börsenchef Grasso unter Druck

Die Forderungen nach dem Rücktritt von Richard Grasso als Chef der New Yorker Aktienbörse werden immer lauter. Nun haben sich auch Investoren und die New Yorker Finanzmarktaufsicht zu Wort gemeldet.

HB NEW YORK. Grassos Gehaltspaket im Umfang von 140 Millionen Dollar kompromittiere ihn in seiner Aufgabe als Regulator der Börsengeschäfte, betonten zwei kalifornische Pensionsfonds in einem offenen Brief. Der Chef der Finanzmarktaufsicht des US-Bundesstaates New York, Alan Hevesi, nannte einen Rücktritt Grassos eine Voraussetzung dafür, dass die Börse ihre Glaubwürdigkeit als Finanzinstitution zurückgewinne. Grasso habe die Befähigung verloren, „die notwendige Reform der NYSE umzusetzen und ihre Mitglieder sowie die gelisteten Unternehmen zu kontrollieren“, sagte Hevesi.

Seit die NYSE im Juli - wie als Zeichen der Transparenz von börsennotierten Unternehmen bereits seit längerem gefordert - die Bezüge ihrer Manager im Juli offengelegt und dabei das Gehaltspaket Grossos veröffentlicht hat, ist der Handelsplatz einer heftigen öffentlichen Diskussion ausgesetzt.

„Wir stellen ernsthaft in Frage, ob sie (Grasso) im Stande sind, diese wichtige Finanzinstitution weiter effektiv zu führen, und ob die NYSE unter ihrer Führung die Voraussetzung einer moralischen Autorität erfüllt, um im Bereich der Unternehmensreform die nötige Führung zu übernehmen“, heißt es in dem Brief der Pensionsfonds für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes und sowie die staatlichen Lehrer im US-Bundesstaat Kalifornien.

"Umfang seiner Entlohnung ist unangemessen"

„Der enorme Umfang seiner Entlohnung ist für einen Regulator unangemessen“, sagte Hevesi. „Während (Grasso) in vielfacher Hinsicht ausgezeichnete Leistungen erbringt, ist seine Effektivität in den Kernfragen des Kampfes gegen Korruption in Unternehmen und einer Verbesserung der Unternehmensführung zerrüttet.“ Hevesi kontrolliert zudem in seiner Funktion als alleiniger Treuhänder den Pensionsfonds des Staates New York im Volumen von rund 105 Milliarden Dollar.

Die kalifornischen Kritiker äußerten sich überzeugt, dass sich noch weitere Investoren ihrer Rücktrittsforderung anschließen. Im übrigen verwiesen sie auf ihren Einfluss in New York: „Wir haben Einfluss auf den Börsenplatz und wir sind immer bereit, ihn einzusetzen“, sagte der oberste kalifornische Finanzverwalter Phil Angelides, der im Vorstand beider Pensionsfonds sitzt.

Auch der US-Kongress hat sich inzwischen in den Streit eingeschaltet. Der Chairman der US-Börsenaufsicht SEC, William Donaldson, wird am Mittwoch im Finanzausschuss des Repräsentantenhauses und am 30. September von Bankenausschuss des Senats befragt. Grasso hat die Rücktrittsforderungen bislang stets zurückgewiesen.

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