Heidelberger Druck
Frisches Blut für die Spitze

Stephan Plenz wird Vorstand des Weltmarktführers und bekommt gleich zu Beginn jede Menge Aufgaben ins Stammbuch geschrieben.
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FRANKFURT. Wenn es darum geht, ein Unternehmen fitter zu machen, dann ist man bei Stephan Plenz an der richtigen Adresse. „Produktivitätssteigerung“ und „Lohnstückkosten“, Vokabeln wie diese zählen zum festen Wortschatz des 42-Jährigen. Sie mit Leben zu füllen, das wird die Aufgabe des Diplom-Ingenieurs in den kommenden Monaten sein: Ab dem 1. Juli ist Plenz Mitglied des Vorstands der Heidelberger Druckmaschinen AG. Gestern gab der weltweit führende Druckmaschinen-Spezialist die Personalie bekannt und bestätigte damit einen Bericht dieser Zeitung.

Mit Plenz rückt die nächste Generation in den Vorstand ein. Er gilt als ein engagierter Manager mit Fingerspitzengefühl. Bislang Leiter des Werks in Wiesloch, hat er die dortige Produktion auf Vordermann gebracht und wettbewerbsfähig gemacht. HPS oder in der ausgeschriebenen Variante „Heidelberg Produktions-System“ nennt sich das von ihm maßgeblich mitgestaltete Effizienzprogramm. Die Resultate können sich sehen lassen. Bis zu 30 Prozent weniger Teile muss das Unternehmen im Wieslocher Werk mittlerweile auf Lager halten. Der Flächenbedarf sank um 20 Prozent, die Produktivität legt pro Jahr im Schnitt um drei bis fünf Prozent zu.

Dass der dreifache Familienvater bei diesem „Tuning“ nicht in einen grundsätzlichen Konflikt mit den Mitarbeitern und der Belegschaftsvertretung geraten ist, wundert in seinem Umfeld niemanden. „Plenz hat ein Händchen im Umgang mit den Kollegen. Er wird von den Mitarbeitern sehr akzeptiert“, beschreibt ein Insider die Situation in Wiesloch.

Doch wohl nicht nur deshalb war Plenz für das Kontrollgremium eine ideale Besetzung für ein viertes Vorstandsressort. Der eloquente Manager ist auch ein exzellenter Kenner der Heidelberg-Produkte. 22 Jahre arbeitet er nun schon für den Druckkonzern.

Am 14. Mai 1965 in Oberwesel am Mittelrhein geboren, beginnt Plenz seine berufliche Laufbahn bei Heidelberger Druckmaschinen im Jahr 1986. Bei dem Unternehmen arbeitet er zunächst in diversen Funktionen im Kerngeschäft mit Bogenoffsetmaschinen. 2001 wechselt er in den Bereich Postpress, die Weiterverarbeitung von Druckerzeugnissen. 2005 kehrt er zurück zum Bogenoffset, er übernimmt die Leitung der Logistik für das Werk Wiesloch. 2006 wird er zum Leiter des gesamten Werks berufen. Daneben leitet er die weltweite Produktion.

Dieses Know-how wird er in seinem neuen Amt gut gebrauchen können. Der mit einem Weltmarktanteil von 40 Prozent größte Anbieter von Druckmaschinen steht selbst unter Druck. Das Unternehmen leidet unter dem starken Euro, der im wichtigen amerikanischen Markt einen erheblichen Nachteil darstellt. Gleichzeitig hängt Heideldruck mit seiner Hauptsparte Bogenoffset stark an der Werbeindustrie und damit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen des Aufsichtsrates an die Firmenspitze. Um die Abhängigkeit vom Werbezyklus zu reduzieren, soll zum Beispiel das Geschäft mit den Verbrauchsmaterialien gestärkt werden. Ebenso ist geplant, den Einkauf weiter zu internationalisieren. Und schließlich steht der Ausbau der Fertigung in China auf der Agenda. Alles das sind Aufgaben, die Plenz gestern ins Stammbuch geschrieben bekam. „Plenz hat den klaren Auftrag, die Produktion weiter zu optimieren“, heißt es bei Heideldruck. „Das Vertrauen, das in Plenz gesteckt wird, ist enorm“, berichten Kenner des Unternehmens. Und geben sich dennoch zuversichtlich: „Die Chancen stehen gut, dass Plenz dieses Vertrauen nicht enttäuschen wird.“

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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