Heimo Scheuch
Personifizierte Kontinuität

Heimo Scheuch übernimmt zur Jahresmitte den Chefposten beim österreichischen Ziegelhersteller Wienerberger und will den Kurs seines Vorgängers fortsetzen. Mit Kontinuität und Zuverlässigkeit will Scheuch das Unternehmen durch die Krise führen. Um einen harten Sparkurs wird er nicht herumkommen.

WIEN. Die Krawatte ordentlich gebunden, dunkler Anzug, grau melierte Schläfen – da wird Solidität allein aufgrund des Äußeren fast schon zum Programm. Aber genau das ist auch der Ansatz, mit dem Heimo Scheuch seinen Spitzenjob beim österreichischen Ziegelhersteller Wienerberger antreten will: Kontinuität und Zuverlässigkeit verspricht der 42-Jährige seinen Aktionären, wenn er den Posten des Vorstandsvorsitzenden von Wolfgang Reithofer zur Jahresmitte übernimmt.

Der langjährige Wienerberger-Chef leidet seit langem unter einer schweren Krankheit und sitzt im Rollstuhl. „Meine Beweglichkeit ist nicht besser geworden, und es ist ein günstiger Zeitpunkt, denn wir haben es geschafft, das Unternehmen für die Bewältigung dieser schwierigen Zeiten gut aufzustellen“, sagte der 60-Jährige.

Reithofer hat seinen Nachfolger vor bald 13 Jahren selbst zu Europas größtem Ziegelhersteller geholt, der auch in Deutschland eine Reihe von Werken besitzt. Beide erinnern sich noch an das konspirative Abwerbegespräch, als Reithofer den Nachwuchsmanager bei einem Treffen am Wörthersee in Kärnten zum Wechsel überredete. Scheuch arbeitete damals noch als Anwalt in einer Kanzlei in Mailand. „Wir haben uns an einer Tankstelle getroffen und nicht im Restaurant. Wolfgang Reithofer hat mir damals schon gezeigt, wie man erfolgreich sparen kann“, scherzt der künftige Wienerberger-Chef.

Um einen harten Sparkurs wird der Neue nicht herumkommen. Wie die meisten anderen Unternehmen aus der Baubranche ist auch Wienerberger massiv von der Auftragskrise betroffen. Schon im vergangenen Jahr hat Reithofer daher eine Reihe von Werken geschlossen, auch jetzt steht der eine oder andere Standort auf der Streichliste. „Wir werden uns in der Krise sehr stark auf die Optimierung konzentrieren“, sagt Scheuch in etwas gestelztem Manager-Deutsch. Jeder kann sich ausmalen, was das konkret bedeuten wird. Nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Aktionäre bekommen die Krise zu spüren. Wienerberger hatte schon zu Monatsbeginn angekündigt, dass die Anteilseigner für 2008 auf eine Dividende verzichten müssen. Immerhin gibt es auch von Finanzexperten Zustimmung für den Sparkurs. „Die finanziellen Kennziffern sind solide“, bescheinigt Bau-Analystin Christine Reitsamer vom Bankhaus Sal. Oppenheim der Wienerberger-Führung.

Auch wenn Heimo Scheuch den Spitzenposten erst zum 1. August übernehmen wird, war er an den wichtigsten Entscheidungen schon immer beteiligt. Seit 1. Januar amtiert er bereits als stellvertretender Vorstandschef. Im Konzernvorstand in der Wiener Zentrale sitzt der gelernte Jurist Scheuch schon seit 2001. Als Reithofer damals den Vorstandsvorsitz übernahm, holte er sich mit dem jungen Scheuch gleich seinen Nachfolger in das Spitzengremium – als Chief Operating Officer. Und da sich Scheuch auf dieser Position auch nach Meinung des Aufsichtsrats bewährt hat, übernimmt er im Sommer den Chefposten.

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