Heiner Kamps hat seine Idee von einer modernen handwerklichen Bäckerei verwirklicht
Er backt, also ist er

Heiner Kamps, ehemals deutscher König der Backfilialen, hat sich einen Traum verwirklicht. Mit dem Leitspruch „Zurück zum alten Bäckerhandwerk" hat er in Düsseldorf das „Bastians“ vorgestellt - eine Mischung aus Restaurant, Backstube und Kaffeebar.

DÜSSELDORF. Auf den Schaufensterscheiben kleben Plakate. „Ich backe, also bin ich“, steht auf einem. Es klingt wie das Glaubensbekenntnis des Mannes, der sich im Laden unter seine Gäste mischt. Heiner Kamps steht da im dunklen Anzug und frischen weißen Hemd, den Kopf leicht nach vorne gebeugt. Der einstige deutsche König der Backfilialen feiert an diesem Abend sein lange angekündigtes Comeback in der Branche. Der 49-Jährige mit dem gepflegten Dreitagebart stellt am Rande der Düsseldorfer Altstadt „Bastians“ vor.

Das neue Konzept hat mit dem Charme des Massenverkäufers Kamps nicht viel zu tun. Keine Backautomaten, abwaschbaren Stehtische und einfachen Theken. Bastians wirbt mit hellem Holz, Kaffeehaustisch, schwarzem Ledersofa und Parkettboden. Es ist ein Mix aus Restaurant, Backstube und Kaffeebar. „Hier wird den ganzen Tag vor Ort gebacken. Bei Bastians werden keine Backmischungen und Tiefkühlprodukte verwendet“, schwört Kamps und fügt hinzu: „Zurück zum alten Bäckerhandwerk.“

Aber Kamps hält sich an diesem Abend gegenüber der Presse auffällig zurück. Bei Fragen verweist er gerne an die Geschäftsführer der Bastians GmbH, Hiltrud Seggewiß und Karl-Heinz Wehe. Kamps selbst ist nicht am Unternehmen beteiligt. „Das heißt aber nicht, dass es sich nicht ändern könnte“, stellt er klar.

Die Zurückhaltung hat ihren Grund. Dem umtriebigen Unternehmer sind die Hände gebunden. Nach der unfreundlichen Übernahme der Backkette vor zwei Jahren durch den italienischen Nudelkonzern Barilla musste der damalige Vorstandschef einen Vertrag unterschreiben. Der verbietet es ihm, bis Ende 2005 operativ in die Brot- und Backwarenbranche einzusteigen. „Wir gehen davon aus, dass Herr Kamps nicht gegen seinen Beratervertrag verstößt“ , sagt Gerd Meyer, Finanzvorstand der Kamps AG.

Doch „Bastians“ trägt Kamps’ Handschrift. Er hat das Konzept mit entwickelt. Die beiden Geschäftsführer sind ehemalige Kamps-Vertraute wie Hiltrud Seggewiß, die Finanzvorstand war. Kamps’ Sohn Bastian, 22, ein gelernter Werbekaufmann, gab nicht nur dem Laden den Namen, sondern macht dort eine Lehre als Bäcker („damit der Jung’ endlich mal ans Arbeiten kommt“). Tochter Judith, 20, die in Düsseldorf Modedesign studiert, hat die gelben und pinkfarbenen Schürzen der Serviererinnen entworfen. Und Heiner Kamps hat seinen Meisterbrief als Bäcker und Konditor als Wandschmuck zur Verfügung gestellt.

„Ich backe, also bin ich.“ Das Backgeschäft lässt ihn eben nicht los. Das hat den Sohn eines kleinen Bäckers aus Bocholt im Münsterland zum größten deutschen Backfilialisten aufsteigen lassen mit einem Umsatz von 1,7 Milliarden Euro und rund 1 700 Filialen. Das hat ihn zu einem vermögenden Mann gemacht. Für seinen Fünf-Prozent-Anteil an der Kamps AG soll er einen Betrag von rund 60 Millionen Euro erhalten haben. Kamps hat sich aber nicht darauf ausgeruht. Sicher, er genießt es, mal „für drei Tage in die USA zu fliegen, um mit meiner Harley Davidson zu fahren“. Er lässt sich auch für die Boulevardpresse, die ihn früher als „Brezelkönig“ oder „Backbaron“ titulierte, gerne mal mit seinem Freund Boris Becker ablichten und ist Gast bei Prominenten-Events, wo er mit seiner jungen Freundin Dijana Medunjanin auftritt.

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