Heinrich von Pierer
Die späte Einsicht Heinrich von Pierers

Der Ex-Siemens-Chef bereut zwar sein langes Schweigen. Aber im Prozess nächste Woche Freitag hat er beschlossen, nicht zu reden.

MÜNCHEN. Nun ist er also doch noch über seinen eigenen Schatten gesprungen. Anderthalb Jahre haben sie bei Siemens darauf gewartet, dass Ex-Chef Heinrich von Pierer eine politische Verantwortung übernimmt für das Schmiergeldsystem, das in seiner Amtszeit aufgebaut wurde und das den Konzern in seinen Grundfesten erschüttert hat.

Nach einem Wanderurlaub in Spanien hat sich der 67-Jährige nun dazu durchgerungen. Aber seine Kehrtwende wird inzwischen im Konzern eher achselzuckend zur Kenntnis genommen. "Das kommt zu spät. Dafür ist einfach schon zu viel passiert", sagt ein Siemensianer.

So werden Pierer denn auch taktische Motive unterstellt. "Für ihn geht es darum, dass Stimmungsbild für die nächste Woche vorzubereiten", vermutet ein Branchenexperte. Denn für Freitag kommender Woche ist Pierer im ersten Siemens-Strafprozess als Zeuge geladen. Sein Auftritt in dem Verfahren gegen Reinhard Siekaczek wurde bislang mit Spannung erwartet.

Ob er wirklich bei seinem jüngsten Bekenntnis an seinen Zeugenauftritt gedacht hat? Wohl eher nicht. Denn gestern ließ er über seinen Anwalt Winfried Seibert mitteilen, dass er nicht vor Gericht erscheinen wird. Pierer beruft sich auf ein Zeugnisverweigerungsrecht. Da gegen ihn ein Ordnungswidrigkeitenverfahren läuft, kann er - wie schon andere prominente Zeugen zuvor - schweigen.

Die Debatte über seine politische Verantwortung hatte Pierer nie so ganz verstanden. So etwas gebe es in der Wirtschaft nicht, sagte er, kurz nachdem Dutzende Polizisten und Staatsanwälte in einer Großrazzia bei Siemens angerückt waren. Da müsse ja jede Woche ein Vorstand zurücktreten, wenn man immer gleich politische Verantwortung übernehme, wenn irgendwo im weiten Konzernreich etwas schieflaufe. Erst auf massiven Druck hin trat er im vergangenen Jahr als Siemens-Aufsichtsratsvorsitzender zurück.

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