Heinz Dürr AG
Matchball für Dieter

Als Heinz Dürr den jungen und branchenfremden Manager Ralf Dieter in sein Unternehmen holte, zweifelten viele an dieser Wahl – zu Unrecht, wie sich nun abzeichnet.

STUTTGART. Beim firmeninternen Tennis-Turnier ist Ralf Dieter voll dabei. „Hast du schon den Spielplan gesehen?“ ruft er einem Kollegen auf dem Flur zu. Einige Tage später schafft es der Rechtshänder bis ins Viertelfinale.

Nun bringt der Chef der Dürr AG gewisse Vorteile aus der Vergangenheit mit: Nach dem Abitur versuchte er sich zu Beginn der 80er als Tennislehrer durchzuschlagen. Sechs Monate dauerte das, dann hatte er genug und verpflichtete sich als Zeitsoldat für zwei Jahre bei der Bundeswehr.

Auch das Bauingenieurstudium an der TH in Karlsruhe war nicht die richtige Wahl: Er wechselte nach zwei Jahren in die volkswirtschaftliche Fakultät und ging zum Hauptstudium nach Freiburg. Die Hochburg der Ordoliberalen galt damals nicht gerade als Kaderschmiede für Topmanager.

Bis dahin also war wirklich nicht abzusehen, dass sein Weg ihn steil nach oben führen sollte – auf den Chefsessel des Weltmarktführers von Lackieranlagen.

„Mir war bei Volkswirtschaft der Blick über den Tellerrand wichtig. Betriebswirtschaftliches Handwerkszeug kann man sich schnell selbst aneignen“, sagt er selbstbewusst. Noch heute ist der gebürtige Baden-Badener stolz, sein Studium selbst finanziert zu haben. Geld verdiente er als LKW-Fahrer und später als Werkstudent bei IBM. Im Auftrag der Deutschland-Tochter des US-Konzerns schrieb er seine später prämierte Diplomarbeit über computergesteuerte Industrieprozesse. Die anfänglich fehlende Zielstrebigkeit stellte sich in Freiburg schnell ein.

Als er am 1. Januar 2005 in den Dürr-Vorstand wechselt, gilt er bei den Kunden aus der Autobranche als Nobody. Wenige trauen ihm zu, das durch eine überzogene Expansion in Schieflage geratene Familienunternehmen auf Kurs zu bringen.

Etwas angegriffen sieht er kurz darauf, im Herbst 2005, aus. Vorstandschef Stephan Rohjahn wurde inzwischen bis zum Jahresende kaltgestellt, er führt bereits kommissarisch die Geschäfte und Dürr droht von Investoren übernommen zu werden: Die Commerzbank hat ihre Forderungen an Hedge-Fonds verkauft. Nur durch Notverkäufe kann das Unternehmen die Schulden verringern und die Banken beruhigen. Auch die Eigentümerfamilie des Unternehmers Heinz Dürr muss Kapital zuschießen.

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