Heinz Dürr über Aufsichtsräte, Mitbestimmung und die neue Regierung
„Wir brauchen Profis“

Heinz Dürr, der Unternehmer: Geboren 1933, ist mit seiner Familie Mehrheitsaktionär der vom Großvater gegründeten heutigen Dürr AG. Das eigene Unternehmen führte er bis 1980, seitdem ist er Aufsichtsratschef der Herstellers von Autolackieranlagen. Der Manager: Vor 25 Jahren wechselte er an die Spitze der AEG und war in dieser Funktion ab 1986 auch Vorstand bei Daimler Benz. 1991 übernahm er für sechs Jahre den Chefsessel bei der Deutschen Bahn. Heute übt Dürr noch diverse Aufsichtsratsmandate aus.

Herr Dürr, in vielen Unternehmen läuft es nicht mehr rund. Da wird in die eigene Tasche gewirtschaftet, da fallen zweifelhafte unternehmerische Entscheidungen. Funktioniert das System der Unternehmenskontrolle durch den Aufsichtsrat noch?

Dürr: Im Prinzip schon, doch natürlich gibt es gute und schlechte Aufsichtsräte.

Was zeichnet den guten Aufsichtsrat aus?

Dürr: Also zunächst einmal: Der Aufsichtsratsvorsitzende ist die entscheidende Figur. . .

. . .getreu dem Motto, der Vorsitzende ersetzt im Grunde den übrigen Aufsichtsrat?

Dürr: So sehe ich das nicht. Aber in einem 20-köpfigen Gremium können nicht alle die gleiche Bedeutung haben. Sinnvoll kann es beispielsweise sein, dass der Vorsitzende einzelne Mitglieder beauftragt, sich mit speziellen Fragen auseinander zu setzen. Im Grunde aber ist die Tätigkeit stark vom Verhältnis Aufsichtsratschef zu Vorstandsvorsitzendem geprägt. Wenn die sich nicht verstehen, ist das ein echtes Problem.

Zu große Harmonie führt aber in der Praxis dazu, dass der Aufsichtsrat Vorstandsbeschlüsse nicht mehr hinterfragt, sondern nur noch abnickt. Wird das Instrument der Zustimmungsverweigerung nicht zu wenig genutzt?

Dürr: Es ist schon wahnsinnig schwierig, den Vorstand von etwas abzubringen, was der sich in den Kopf gesetzt hat. Das wird in den seltensten Fällen in einem Show-Down mit einem harten Nein des Aufsichtsrates passieren. Das ist eher ein Prozess, der über Gespräche schon im Vorfeld der eigentlichen Entscheidung läuft. Allerdings wünsche ich mir unter dem Strich standhaftere Aufsichtsräte.

Im eigenen Unternehmen haben Sie den Vorstand erst ausgewechselt, als die Gewinnwarnung auf dem Tisch lag. Haben Sie als Kontrolleur zu spät reagiert?

Dürr: Nein, es war ja noch rechtzeitig. Aber natürlich stellt sich immer wieder die schwierige Frage, wie viel Zeit man dem Vorstand gibt, seine Strategie umzusetzen, bevor man ihm das Scheitern unterstellt.

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