Heinz Hilgert im Interview
WestLB-Chef: „Etwas mehr Demut“

Heinz Hilgert, dem Chef der WestlLB, hat die EU harte Auflagen für die dringend benötigte Staatshilfe gemacht. Im Interview mit dem Handelsblatt äußert er sich über die Auflagen der EU und erläutert, warum er seine Landesbank als Vorreiter der Konsolidierung sieht.

Handelsblatt: Herr Hilgert, die Auflagen der EU-Kommission für die WestLB sind hart. Fühlen Sie sich gerecht behandelt?

Heinz Hilgert: Vieles hatten wir ja schon seit dem vergangenen Sommer erwartet. Alles in allem sind wir äußerst gefasst und sehen jetzt vielmehr gute Chancen, bei der Konsolidierung unter den Landesbanken eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Aber die Standortschließungen in Nordrhein-Westfalen und in einigen europäischen Großstädten müssen doch schmerzen?

Ja, natürlich. Aber die Kommission hatte in den vergangenen Monaten auch Nachsicht mit uns gezeigt. Wir hätten ja eigentlich bis Ende März dieses Jahres schon einen mehrheitlichen Eigentümerwechsel konkretisieren sollen. Gespräche mit anderen Landesbanken zu Fusionen verliefen aber bekanntlich im Sande. Dass die Frist verlängert werden musste, hat im Verfahren sicherlich nicht geholfen.

Sollen sich die wichtigsten Eigentümer - das Land NRW und die Sparkassen - bis Ende 2011 ganz zurückziehen? Das war in den Äußerungen der Kommission nicht eindeutig zu erkennen.

Es soll ein mehrheitlicher Eigentümerwechsel erfolgen, und die Kommission um Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hat auch signalisiert, dass sie einen hundertprozentigen Austausch der Eigentümer begrüßen würde.

Man hat den Eindruck gewonnen, dass Brüssel und Berlin jetzt Nägel mit Köpfen machen wollen bei der Verringerung der Anzahl der noch sieben Landesbanken. Ist das jetzt eine konzertierte Aktion?

Die Diskussion in Berlin und Brüssel greift ineinander, das sehen Sie schon richtig. Die Bundesregierung und die Kommission sind da auf einer Linie. Und ich finde es richtig, wenn exogener Druck endlich zu Veränderungen in der öffentlich-rechtlichen Bankenlandschaft führt. Andere Landesbanken werden durchaus vergleichbare Auflagen sehen.

Also ist die WestLB die Blaupause für die Konsolidierung?

Ja, das habe ich schon vor Monaten gesagt, nur wollte es niemand glauben. Auch Häuser wie die BayernLB, die HSH Nordbank und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) müssen mit ähnlichen Vorgaben aus Brüssel rechnen. Wir sind nur an der Spitze der Entwicklung.

In anderen Landeshauptstädten ist man aber optimistisch, mit weniger Strenge seitens Brüssel rechnen zu können. Vielleicht lief bei der WestLB einfach besonders viel schief?

Nein, überall wird sich am Ende etwas mehr Demut und Realitätssinn durchsetzen. In einigen Monaten wird das ganz klar sichtbar sein. Wir kommen nur als erste durch die Tür, aber hinter uns ist eine lange Warteschlange.

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