Heinz-Horst Deichmann wird 80
Schuhe für Gott und die Welt

An seiner Zukunft im Schuhhandel des Vaters zweifelte die Mutter von Heinz-Horst Deichmann nie. Sie sollte recht behalten. Heute ist das Unternehmen der größte Schuhhändler in Europa, dessen Gewinne Schuh-König Deichmann auch wohltätig einsetzt. Morgen feiert er seinen 80. Geburtstag.

ESSEN. „Und der Junge wird ins Geschäft gehen!“ Seine Mutter zweifelte nie daran, dass ihr einziger Sohn eines Tages den Schuhhandel seines früh verstorbenen Vaters in Essen-Borbeck übernehmen würde. Ins Grübeln gerät Julie Deichmann selbst nicht, als Heinz-Horst 1946 in Bonn Theologie studiert, sich in Düsseldorf für Medizin einschreibt und dann als Orthopäde praktiziert. Erst 1956 übernimmt Heinz-Horst Deichmann die Führung im Familienbetrieb.

Aus Verlegenheit oder gar aus Pflichtgefühl handelt der junge Mann mit den hellblauen Augen nicht. Deichmann hat ein Ziel vor Augen: Millionen Landsleute preisgünstige Schuhe verpassen – und mit den Gewinnen Gutes tun. Wenige Monate zuvor hatte der „Doktor“, wie er in der Firma genannt wird, deshalb eine folgenreiche Entscheidung getroffen: den Ausstieg aus der Einkaufsvereinigung. Deichmann macht sich einerseits frei von Absprachen, andererseits muss er möglichst schnell wachsen, um selbst die nötige Einkaufsmacht zu erlangen.

Es gelingt. Ein halbes Jahrhundert später ist Deichmann mit 2 100 Filialen Europas größter Schuhhändler. Umsatz 2005: 2,5 Milliarden Euro. Und sein Name steht eben auch für christliche Nächstenliebe. Heinz-Horst Deichmann gründete quer über den Globus wohltätige Stiftungen.

„Warum sind Sie reich, Herr Deichmann?“ Dieser Fragen gehen Andreas Malessa und Hanna Schott in der Biografie nach, die am morgigen Samstag, zum 80. Geburtstag des Pioniers, erscheint. Das Erfolgsgeheimnis der Schuhkette ist ihre Preisführerschaft und die Beherrschung der Wertschöpfungskette vom Entwurf über die Produktion bis zur Ladentheke.

Anders als andere Patriarchen hat es Deichmann nicht versäumt, seine Nachfolge zu regeln. Sein einziger Sohn Heinricht Otto (Heino) Deichmann führt seit 1999 die Geschäfte und die Leitidee fort: „Die Firma muss dem Menschen dienen!“ Mit dem Kauf der Traditionsmarken Elefanten und Gallus sorgte der 43-Jährige bereits für Aufregung in der Branche. Eines unterscheidet ihn aber vom Vater: Der Betriebswirt ist ein zurückhaltender Analytiker.

Denn sosehr Deichmann senior im Glauben ruht, so impulsiv kann er sein: „Ich habe mal mit einem Leisten nach einem Schuhvertreter geworfen. Aber da war ich noch sehr jung.“ Entscheidungen trifft er häufig aus dem Bauch, beratungsresistent ist er aber nicht. Ein hochkarätiger Beirat steht ihm zur Seite. Sein Ruf als Chef ist tadellos. Die Gewerkschaft Verdi sagt: „Lassen Sie die Deichmänner bitte in Ruhe arbeiten. Die Firma leistet hervorragende Arbeit.“ Noch nie hat Deichmann einen Mitarbeiter betriebsbedingt entlassen.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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