Heinz-Peter Schlüter
Den Großen die Stirn bieten

Heinz-Peter Schlüter setzt sich mit seinem Familienunternehmen Trimet in der Alu-Branche durch. Er verdient jetzt da Geld, wo Konkurrenten entnervt aufgegeben haben - und zeigt, dass sich ein energieintensives Unternehmen wie Trimet auch am Standort Deutschland mit seinen hohen Strompreisen behaupten kann.

DÜSSELDORF. Um fünf vor elf ist das große Sitzungszimmer in der Zentrale des Düsseldorfer Aluminiumkonzerns Trimet schon bis auf den letzten Platz gefüllt. Heinz-Peter Schlüter nutzt die Zeit bis zum Beginn der Bilanzpressekonferenz, um jedem Journalisten die Hand zu schütteln. Mit „Guten Morgen, wie geht’s?“ oder „Schön, dass Sie da sind“ begrüßt er die alten Bekannten, die den Aufstieg von Schlüters 1985 gegründetem Unternehmen von Anfang an verfolgen.

Aber diesmal sind viele Gesichter neu. Denn das Interesse der Medien an Schlüter, der als Familienunternehmer den Großen der Aluminiumbranche die Stirn bietet, hat rapide zugenommen.

Vor einem Jahr machte der Chef und Alleineigentümer von Trimet bundesweit Schlagzeilen. Im November kaufte er die Hamburger Aluminium-Werke (HAW). Diese hatten die Vor-Eigentümer Norsk Hydro aus Norwegen, Alcoa aus den USA und Amag aus Österreich wegen zu hoher Stromkosten in Deutschland geschlossen. So rettete Schlüter zum zweiten Mal ein Werk, das internationale Konzerne bereits aufgegeben hatten. Bereits 1994 stieg Schlüter in die Produktion des Leichtmetalls ein, als er der Schweizer Alusuisse deren Aluminiumhütte in Essen abkaufte.

„In Hamburg sind wir voll im grünen Bereich“, verkündete Schlüter am Mittwoch stolz. Die Wiederinbetriebnahme der bereits eingemotteten Anlagen gelinge viel schneller als gedacht. „Bis Weihnachten sind alle 270 Schmelzöfen wieder in Betrieb“, hofft der alte und neue Trimet-Produktionsvorstand Kurt Ehrke, 63. Schlüter holte seinen langjährigen Wegbegleiter in diesem Frühjahr eigens wegen HAW wieder aus dem vorzeitigen Ruhestand zurück ins Trimet-Führungsteam.

Schlüter zeigt, dass sich ein energieintensives Unternehmen wie Trimet auch am Standort Deutschland mit seinen hohen Strompreisen erfolgreich am Markt behaupten kann. Und dass trotz eines intensiven Wettbewerbs soziales Unternehmertum möglich ist. Ein Drittel der wieder auf 250 Mitarbeiter angewachsenen Belegschaft in Hamburg ist bereits über 50 Jahre alt, zwei Drittel sind über 40. Die meisten Mitarbeiter holte Schlüter aus der Arbeitslosigkeit. „Denn nur mit deren Erfahrung konnten wir die Hütte so schnell wieder anfahren“, ist er überzeugt. Natürlich reichen 30 Millionen Euro Umsatz, die Hamburg bis Ende Juni, dem Stichtag für das Geschäftsjahr 2006/07 erzielte, bei weitem nicht aus, um alle Anlaufverluste zu decken. Bisher hat Trimet 50 Millionen Euro in Hamburg investiert, weitere 25 Millionen sollen folgen.

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