Heinz Schimmelbusch
Die Vergangenheit kehrt zurück

Die Metallgesellschaft brachte Heinz Schimmelbusch Ruhm und Häme. 1989 übernahm er mit nur 44 Jahren die Spitze des Konglomerats, 1991 war er „Manager des Jahres“, kurz vor Weihnachten 1993 wurde er entlassen. Fehlspekulationen der US-Tochter hatte die damalige Nummer 14 der deutschen Industriekonzerne an den Rande des Ruins getrieben. Jetzt plant Schimmelbusch sein Börsencomeback.

FRANKFURT. Still geworden war es um den einstigen Top-Manager. Doch in Kürze kehrt Heinz Schimmelbusch an die Börse zurück. Die Aktien seiner neuen Gesellschaft AMG – die drei Buchstaben stehen für Advanced Metallurgical Group – sollen ab dem 11. Juli an der Amsterdamer Euronext gehandelt werden. Der Preis für die bis zu 13,06 Mill. Stücke, die unter der Führung von Credit Suisse angeboten werden, liegt zwischen 20 und 25 Euro. Zwischen 260 und 320 Mill. Euro dürften so erlöst werden.

62 Jahre ist der gebürtige Österreicher inzwischen alt und etwas fülliger als damals, als ihm die Titelseiten gehörten. Den markanten Scheitel auf der linken Seite trägt er immer noch. Und erst recht ist er der Branche treu geblieben. AMG ist – ähnlich wie einst die Metallgesellschaft – ein weltweites Geflecht aus hochspezialisierten metallverarbeitenden Unternehmen. Anspruchsvolles und absolut sicheres Material auch für höchste Stresssituationen zu produzieren, ist deren Auftrag. Wie beispielsweise die Titanbeschichtungen für Flugzeugtriebwerke, die in Nürnberg hergestellt werden. Acht Gesellschaften in fünf Kontinenten gehören dem Geflecht inzwischen an, weitere sollen in Kürze folgen.

Dass diese Strukturen nicht nur bei Insidern Erinnerungen an die alte Metallgesellschaft wecken, damit kokettiert Schimmelbusch sogar: „Ich fühle mich angespornt, weil ich das in größerem Rahmen schon mal gemacht habe“, sagt er. Außerdem bestehe der Vorstand aus lauter „voll abgeschriebenen Managern“. Alle haben jahrzehntelange Erfahrung im Metallgeschäft.

Dass die Investoren wieder Schlange stehen, liegt nicht nur an der weltweit boomenden Konjunktur. AMG liefert in drei besonders aussichtsreiche Branchen: Luftfahrt, Solarindustrie und Stahlproduktion. Der Clou ist, dass AMG nicht nur Material, sondern auch Anlagen zur Verarbeitung liefert.

Diejenigen, die Schimmelbusch Anfang der Neunzigerjahre heftig attackiert hatten, haben ihn nicht vergessen. So wie der streitbare Würzburger BWL-Professor Ekkehard Wenger. Mit ganzen Busladungen von Studenten im Gefolge machte der damals Hauptversammlungen der Metallgesellschaft zum Anschauungsobjekt für seiner Ansicht nach „extremes Missmanagement“. „Ich werde die Entwicklung der neuen Gesellschaft bestimmt verfolgen“, sagte er bereits dem Handelsblatt.

Möglich, dass er irgendwann eine neue Metallgesellschaft verfolgen kann. „Ich empfinde den Namen wegen des damit verbundenen großen historischen Gepräges als sehr aristokratisch“, sagt Schimmelbusch. Die Rechte an dem Konzernnamen hat er vor Jahren erworben. Möglicherweise will er ihn mittel- bis langfristig aktivieren. Eine Umbenennung der AMG kommt aber nicht in Frage.

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