Helge Lund übernimmt Führung von Statoil
„Bäumchen, wechsle dich“ in Norwegen

„Røkkes rechte Hand“ wird er zu Hause in Norwegen genannt. Und da weiß man nie genau, ob das ein Kompliment ist oder gar versteckte Kritik. Helge Lund war in den vergangenen drei Jahren Chef von Aker Kvaerner, dem riesigen Industriekonglomerat des Kjell Inge Røkke.

STOCKHOLM. Und dieser Røkke ist das Enfant terrible der norwegischen Wirtschaft, ein Multimillionär, der aus seinem Reichtum nie einen Hehl gemacht hat, der für Nordeuropa ungewöhnlich harte Bandagen an den Tag legt, wenn es darum geht, seinen Einfluss weiter auszubauen.

Dessen rechte Hand wird zum 15. August Chef des größten norwegischen Unternehmens, des Öl- und Gaskonzerns Statoil, mit gut 20 000 Mitarbeitern. Als gestern die Ernennung des 42-jährigen Lund bekannt gegeben wurde, war jegliche Kritik verschwunden. Wirtschaftsminister Ansgar Gabrielsen lobte den neuen Statoil-Boss als „einen Mann, der gezeigt hat, dass er große Konzerne führen kann“. Und Ölminister Einar Steensnæs hob die „breite industriepolitische Erfahrung“ des neuen Statoil-Manns hervor.

Dass die Regierung nur Gutes über den Youngster der norwegischen Industrie zu sagen hat, liegt nahe. Denn der Staat kontrolliert den Energieriesen mit einem Anteil von 82 Prozent. Die Suche nach einem neuen Ölboss wurde notwendig, nachdem im vorigen September der damalige Statoil-Chef Olav Fjell wegen Bestechungsvorwürfen seinen Hut hatte nehmen müssen. Seitdem hatte Fjells Vize, Inge Hansen, interimistisch die Führung übernommen. Er hatte jedoch kein Geheimnis daraus gemacht, dass er am liebsten das Statoil-Zepter selbst in der Hand behielte. Der Wunsch geht nicht in Erfüllung, doch Sorgen muss sich Hansen nicht machen. Denn im kleinen Norwegen kommt es zum „Bäumchen-wechsle-dich- Spiel“: Hansen wird Chef des Aker- Kvaerner-Konzerns.

„Ein Traum“ sei der Aker-Kvaerner-Job, hat Lund gesagt. Doch der stets sportlich gekleidete und charmante Ökonom und Vater zweier Kinder wollte „die Herausforderung“. So ist er: zielstrebig, dabei aber immer diplomatisch. Auf der Osloer Handelshochschule soll er schon während seines Studiums Eindruck gemacht haben – fachlich und bei den Kommilitoninnen. Nach Auslandssemestern in Frankreich zog es den immer noch aktiven Fußballspieler und Skifahrer zunächst in die Politik. Bei den Konservativen übernahm er einen Berater-Posten.

Doch schnell ging er in die Wirtschaft: Bei McKinsey lernte er, wie man Sparpotenziale ausfindig macht. Dieses Wissen hat er nach einer Zwischenstation beim Pharmaunternehmen Hafslund Nycomed bei Aker Kvaerner gut gebrauchen können. Nun wird er den norwegischen Wirtschaftsthron besteigen. Wichtiger noch: Über Statoil verwaltet der norwegische Staat große Teile des Öl- und Gasreichtums des Landes. Lund geht ob der Verantwortung für den Wohlstand des Landes nicht leer aus: Für umgerechnet 507 000 Euro jährlich soll er die Milliardenschätze am Boden des Nordatlantiks möglichst Gewinn bringend ausnutzen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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