Hellmut Trienekens vor Gericht
Der Mann mit den sieben Gesichtern

Öffentliche Auftritte liebt Hellmut Trienekens nicht. Den Kampf um seinen Ruf als ehrlicher Steuerbürger muss der 66-jährige Müllzar vom Niederrhein jedoch öffentlich führen – ab heute vor dem Kölner Landgericht. Der Vater dreier Töchter, achtfache Großvater und einstige Erfolgsunternehmer kommt heute Morgen um Viertel nach neun mit einem Tross von Verteidigern vor Gericht, an der Spitze der Strafrechtler Norbert Gatzweiler; mit dabei sind auch ein Herzspezialist, ein Psychologe und ein Sanitäterteam der Feuerwehr.

HB. Seit zwei Jahren gilt Trienekens als eine der Schlüsselfiguren in der Schmiergeldaffäre um den Bau der Kölner Müllverbrennungsanlage. Diese zwei Jahre haben Hellmut Trienekens schwer gezeichnet. Er gilt als herzkrank, geschwächt von Zuckerkrankheit und nicht kontrollierbarem Bluthochdruck, gepeinigt von Depressionen.

Dabei geht es jetzt gar nicht um Korruption, sondern um Steuerhinterziehung. Trienekens’ Steuerverfahren wurde von der Hauptsache abgetrennt, ob eine Hauptverhandlung wegen der Bestechungsvorwürfe überhaupt noch eröffnet wird, ist unklar.

Dem gesundheitlichen Zustand des Angeklagten zollt das Gericht Tribut. Maximal zwei bis drei Stunden wird Trienekens in dem auf zwei Tage veranschlagten Verfahren Rede und Antwort stehen. Der Kern der 15 Seiten starken Anklage: Der Unternehmer soll zwischen 1995 und 2000 rund 6,5 Millionen Mark Körperschaft- und Gewerbesteuer hinterzogen haben. Laut Staatsanwaltschaft hat der Unternehmer ein „frühzeitiges umfassendes Geständnis abgelegt und den eingetretenen Schaden sogleich ausgeglichen“. Rechtsbeistand Gatzweiler bestätigt: „Das Geld wurde bezahlt, mehr als notwendig – mit Zinsen und Nebenforderungen.“ Am Ende könnte, so hofft der Jurist, für seinen Mandanten eine Bewährungsstrafe stehen.

Trienekens – das war vier Jahrzehnte ein Synonym für Erfolg. Der sich mit einem breiten Lächeln und offenem Blick zeigende Unternehmer schuf bis zum Jahr 2001 ein Imperium mit 260 Beteiligungen und zuletzt einem Jahresumsatz von rund 900 Millionen Euro.

1961 steigt Hellmut Trienekens in den väterlichen Heu- und Strohgroßhandel mit zwölf Beschäftigten ein. Das Heu verfüttern die Bauern. Das Stroh kaufen die Papierfabriken. Sein Vater entsorgt damals nebenbei den Müll im niederrheinischen Süchteln. Mit dem Umstieg der Papierfabriken auf Altware setzt der neue Chef nach dem Tod des Vaters (1968) ganz auf Müll. Trienekens zeigt sein erstes Gesicht: der Visionär.

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