Helmut Koch und Oliver Burkhard
Zwei Generationen ringen um Tarifvertrag

31 Jahre Altersunterschied liegen zwischen Helmut Koch und Oliver Burkhard und sie vertreten unterschiedliche Lager. Koch, 69, verhandelt für die IG Metall den neuen Tarifvertrag für die Stahlindustrie, Burkhard, 38, vertritt die Arbeitnehmer. Dennoch harmonieren die Gegenspieler auffallend gut.
  • 0

BERLIN/DÜSSELDORF. Helmut Koch und Oliver Burkhard sind schon ein seltsames Gespann. Mit ihren dunklen Anzügen und akkurat gebundenen Krawatten wirken sie fast wie Kämpfer für eine gemeinsame Sache, dabei vertreten die beiden unterschiedliche Lager: Koch vertritt in den laufenden Tarifgesprächen für die Stahlindustrie die Arbeitgeberseite. Burkhard, studierter Betriebswirt, ist Verhandlungsführer der IG Metall.

Ein böses Wort über den Gegenspieler kommt beiden nicht über die Lippen. Auch das gehört für sie zur tarifpolitischen Profession - und es räumt die Gegensätze längst nicht aus. Schon gar nicht die offensichtlichen: Burkhard ist 38 und führt seit drei Jahren Tarifverhandlungen in der Stahlindustrie. Koch ist 69 und mischt bereits seit 13 Jahren in der Tarifpolitik mit.

Er ist ein alter Hase, der sein Geschick schon als Vorstand bei Mannesmann und Salzgitter unter Beweis gestellt hat. Eigentlich wäre Koch längst in Rente - aber so ganz kann er es nicht lassen. Und so wird er heute Nachmittag im Maritim-Hotel in Gelsenkirchen Burkhard erneut gegenübersitzen, bei einer Art Treffen der Generationen: "Burkhard könnte mein Sohn sein", sagt Koch mit einem Lachen. Unterschätzen wird er ihn aber nicht: Burkhard hat bereits im Alter von 33 wichtige Erfahrungen als Chef der zentralen Tarifabteilung der IG Metall gesammelt. Und er hat auch schon mehr als einmal Verhandlungsgeschick gezeigt.

Die laufenden Verhandlungen haben eine Schlüsselrolle für die deutsche Tarifpolitik. Die Stahlindustrie ist mit ihren 85 000 Beschäftigten zwar nur eine kleine Branche. Die aktuelle Tarifrunde dort ist aber die erste der Nachkrisenzeit, wie Burkhard betont. Und zugleich ist die IG Metall dort so stark wie nirgendwo sonst - 90 Prozent der Stahlarbeiter gehören der Gewerkschaft an.

Die IG Metall testet mit ihnen gerne tarifpolitische Neuerungen, um sie später auf das diffizilere Terrain der Metall- und Elektroindustrie zu übertragen. So ein Projekt ist diesmal ihre Forderung, für die Stahlindustrie erstmalig per Branchentarifvertrag gleiche Löhne für Zeitarbeiter und Stammkräfte festzuschreiben. Nebenbei kann sich Burkhard damit für höhere Aufgaben empfehlen. Schon heute bestreitet kaum ein Metaller, dass er auf die Liste möglicher IG-Metall-Chefs der Zukunft gehört.

Davor steht aber ein harter Kampf in der Stahlindustrie. Koch hält speziell die Gleichstellung der Zeitarbeiter für bedenklich. Die eigentliche Lohnforderung in Höhe von sechs Prozent sieht er da gelassener. Beide sind sich der Bedeutung ihrer Rolle bewusst - Stabilität und Vertrauen sind wichtig, für die Industrie im Wettbewerb und für ihre Beschäftigten. Insoweit ziehen sie an einem Strang.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Helmut Koch und Oliver Burkhard: Zwei Generationen ringen um Tarifvertrag"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%