Helmut Urban
Helmut Urban: Der Schönmacher

Helmut Urban hat erst zu Jahresbeginn den Chefposten bei der Constantia Privatbank übernommen. Im Visier von Urban: Vermögende Privatkunden. Vor einem Jahr stand die Wiener Privatbank kurz vor dem Zusammenbruch, inzwischen gibt es einen Interessenten für eine Übernahme.

WIEN. Eine bessere Adresse für eine Bank kann es nun wirklich nicht geben. "Bankgasse 2" steht auf dem Türschild, bestens gelegen in der Wiener Innenstadt und nicht weit vom Bundeskanzleramt und der Hofburg. Helmut Urban geht dort noch nicht allzu lange ein und aus, erst zu Jahresbeginn hat er den Chefposten bei der Constantia Privatbank übernommen. Offensichtlich läuft es bei den Wienern im Moment nicht schlecht: Das Frankfurter Geldhaus Hauck & Aufhäuser interessiert sich für den Konkurrenten in Österreich.

Vor bald einem Jahr sah alles noch ganz anders aus. Die Constantia Privatbank stand kurz vor dem Zusammenbruch. Das Kreditinstitut, vor allem engagiert in der Vermögensberatung gut betuchter Kunden, musste in einer gemeinsamen Hilfsaktion von den größten Banken des Landes gerettet werden. Raiffeisen, Erste Bank und Bank Austria gaben Geld, damit es bei der kleinen Constantia weitergehen konnte. Außerdem sicherte das Wiener Finanzministerium staatliche Einlagengarantien zu. Die Constantia war in den auch außerhalb Österreichs bekannten Finanzskandal um die Immofinanz-Gruppe verwickelt. Als dann noch Ermittlungen wegen möglicher Bilanzfälschungen bekannt wurden, stand die Constantia mit dem Rücken zur Wand.

Aber im Kern ist die private Vermögensverwaltung ein gutes Geschäft. Deshalb sind Österreichs Großbanken auch eingesprungen - und holten Urban auf den Chefsessel. Der 50-Jährige kommt aus der Raiffeisen-Gruppe, wo er zuletzt große Infrastrukturprojekte betreut hat. Davor war der studierte Jurist im Investment-Banking tätig.

Nun versucht er also sein Glück bei vermögenden Privatkunden. Auf dem neuen Posten sollte er die Constantia vor allem von den Lasten der Vergangenheit befreien. Konzentration auf die "Kernkompetenz als österreichische Privatbank" ist seine klare Aufgabe. Urbans Vertrag läuft bis Ende kommenden Jahres. Er könnte also auch nach einer Übernahme durch Hauck & Aufhäuser an der Spitze der kleinen, feinen Wiener Bank stehen. 50 Mio. Euro soll sie kosten, die Deutschen könnten mit dem Kauf ihre Vermögensverwaltung nach Österreich ausdehnen.

Urban hat zumindest erreicht, dass der österreichische Staat seine Garantien für die Constantia-Einlagen bis zum Jahresende verlängert. "Ein wichtiges Signal an unsere Kunden", sagt der Bank-Chef aus der Bankgasse. Gleichzeitig ist das aber auch ein Zeichen an Hauck & Aufhäuser, dass weiterhin ein gewisser Rückhalt durch den Staat besteht. Denn ganz so sicher ist der Verkauf dann doch noch nicht. Bei der deutschen Bank geht die Sorge um, dass man nach einer Übernahme für Altforderungen an die Constantia-Privatbank einstehen muss - vor allem Forderungen im Zusammenhang mit dem Immofinanz-Skandal, die einen dreistelligen Millionenbetrag ausmachen könnten. Urban will den Frankfurtern das Geschäft dadurch schmackhaft machen, indem er die Constantia in eine "Good Bank" und eine "Bad Bank" aufteilt. Und für Hauck & Aufhäuser bliebe dann selbstverständlich nur der gute Teil übrig, um vor alten Ansprüchen geschützt zu sein. In Frankfurt sind die Überlegungen dazu noch nicht endgültig abgeschlossen. "Kein Kommentar", ist das Einzige, was Hauck & Aufhäuser derzeit dazu abgibt.

In Wiener Bankkreisen heißt es zur unmittelbaren Zukunft von Helmut Urban, dass er selbst gern an der Spitze des kleinen Geldhauses bleiben würde. Wenn sich die Constantia tatsächlich aus den Skandalen der Vergangenheit befreien kann, sind die Aussichten dafür nicht die schlechtesten. Das Geldhaus betreut nämlich nur finanziell bestens ausgestattete Privatkunden. Und Geschäfte mit solchen Anlegern sind auch in fernerer Zukunft extrem lukrativ. Für Raiffeisen & Co. ist das nur ein Randbereich, deshalb würden die Großbanken dieses Geschäft ohne großes Federlesen auch einem ausländischen Konkurrenten überlassen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%