Henning Rasches Abschied
„Mr. Jumbo“ wird’s zu klein

Weil er das Bilanzvolumen seines Bereichs halbieren sollte, verlässt Henning Rasche den Immobilienfinanzierer Eurohypo. Der 55-Jährige gilt als der Vater des Jumbo-Pfandbriefes, mit Staatskrediten und Hypotheken gedeckte Anleihen. Mit scharfen Worten hatte der Manager zuvor die Commerzbank attackiert.

FRANKFURT. Das Maß ist wohl voll für Hennig Rasche. Ihn hält es nicht mehr als Vorstand bei der Eurohypo. „Es wundert mich mehr, dass er so lange durchgehalten hat“, sagt ein Frankfurter Banker, der ihn gut kennt. Eigentlich hätte er schon im September gehen müssen. Damals kündigte die Commerzbank an, im Zuge des Kaufs der Dresdner Bank, die Staatsfinanzierung kräftig zu schrumpfen. Der von Rasche verantwortete Bereich sollte sein Bilanzvolumen bis 2011 auf 100 Mrd. Euro halbieren. „Die Staatsfinanzierung in der Commerzbank ist praktisch tot“, heißt es in der Branche. Rasche selbst soll zuletzt gar gezürnt haben, Hauptzweck der Eurohypo sei es noch, der Commerzbank die Pfandbrief-Refinanzierung zu sichern. Kein Wunder also, dass der 55-Jährige den Hut nimmt. Ex-Eurohypo-Chef Bernd Knobloch zog bereits im September die Reißleine.

Mit Rasche verliert die Eurohypo den „Vater des Jumbo-Pfandbriefs“. Pfandbriefe sind mit Staatskrediten oder Hypotheken gedeckte Anleihen. Wegen der Sicherheit, die in Deutschland und vielen anderen Ländern gesetzlich verankert ist, verlangen Investoren für die gedeckten Bonds weniger Rendite als für ungedeckte. Das macht sie zu einem wichtigen Refinanzierungsinstrument für Banken.

Rasche selbst verantwortete im Mai 1995 bei der Frankfurter Hypothekenbank, einem der Vorläuferinstitute der Eurohypo, die Emission des ersten Jumbo-Pfandbriefs. Er setzte sich dafür ein, dass die emittierende Bank für die Pfandbriefe An- und Verkaufskurse stellte und sich damit die Liquidität erhöhte. Heute stehen allein in Deutschland knapp 280 Mrd. Euro an Jumbos aus, weltweit beläuft sich ihr Volumen auf 836 Mrd. Euro. Allerdings: Im Zuge der Finanzkrise hat auch der Pfandbrief Kratzer abbekommen. Die Risikoprämien sind deutlich gestiegen, das Emissionsvolumen auf einen Bruchteil geschrumpft.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass Rasche mit dem Pfandbrief stets ein in der Bankenwelt bodenständiges Produkt vertreten hat. Er selbst trinkt lieber Rotwein als Champagner, gilt als sachlich und unprätentiös. In Wallung gerät der Oldtimer-Fan allerdings, wenn jemand versucht, die Qualitätsstandards des Pfandbriefs aufzuweichen.

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