Henning Schulte-Noelle
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Als Allianz-Chef war Henning Schulte-Noelle einst fürs Geldverdienen zuständig. Seit ihrer Gründung ist die Stiftung des Unternehmens sein Baby. Als ihr Leiter gibt der Bach-Freund Geld aus – für viel versprechende Künstler und ambitionierte Umweltprojekte.

MÜNCHEN. Geheimnisvoll riecht Staub doch nur dort, wo alte Bücher warten. „Der erste Besuch, die Staubkörnchen tanzten in den Sonnenstrahlen, es war, als käme der Geheimrat gleich die Treppe herunter“, erzählt Henning Schulte-Noelle vom ersten seiner zahlreichen Besuche in Goethes einstigem Reich, der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar. Man schrieb das Jahr 1994. Der weltberühmt-schöne Rokoko-Saal muss also einen sehr tiefen Eindruck bei ihm hinterlassen haben, denn wenn Schulte-Noelle etwas nicht gerne tut, dann öffentlich Gefühle zu zeigen.

Auch an den Anruf eines Kollegen zehn Jahre später erinnert sich Schulte-Noelle, als wäre es gestern gewesen: „,Die Bibliothek ist abgebrannt’, sagte er mir. Und ich wollte das im ersten Moment gar nicht glauben.“ Am Abend des 2. September 2004 war das Weltkulturerbe durch einen Brand weitgehend zerstört worden, Zigtausende Bücher und Handschriften verbrannten, Unwiederbringliches darunter wie eine Handschrift des Italieners Pasquale Anfossi, die im Text Übersetzungen aus der Hand Goethes enthielt.

„Erst hat man uns gesagt, da kann man nicht helfen, aber wir waren uns einig, dass man etwas machen muss“, erzählt Schulte-Noelle. Wir, das ist die Stiftung, der der langjährige Vorstandsvorsitzende von Europas größtem Versicherungskonzern Allianz seit ihrer Gründung im Jahr 2000 als Vorsitzender des Stiftungsrates vorsteht: die Allianz-Kulturstiftung.

Viele mögen bei der Gründung dabei gewesen sein, viele haben Ratschläge gegeben, geholfen. Und doch ist die Kulturstiftung seine Schöpfung, sein Baby. Mit 50 Millionen Euro von der Allianz ausgestattet, hat sich die gemeinnützige Einrichtung der Förderung von Kunst und Kultur in Europa verschrieben, ihre Projekte richten sich vor allem an junge, begabte Europäer, sie vergibt Stipendien, verleiht Preise. Und manchmal sorgt sie auch für Wiederaufbau. Etwa vier Prozent des Vermögens gibt die Stiftung Jahr für Jahr für ihre Zwecke aus, die Bibliothek erhielt 1,38 Millionen Euro – das war die zweitgrößte Unternehmensspende. Besonders stolz ist man bei der Allianz aber auf die Unterstützung des Stiftungszentrums in München. Das betreut kleine private Stiftungen, seit dem Engagement von Schulte-Noelle ist ihre Zahl erheblich gewachsen.

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