Herb Kelleher hängt mit Southwest Airlines die US-Konkurrenz ab
Killertomate im Anflug

Er trinkt gerne mal einen Wild Turkey Whiskey und verkleidet sich zu Halloween als Truthahn oder Killertomate. Mal taucht er zum Company-Picknick auf einer Harley auf, dann wieder singt er beim Marketing-Meeting hausgemachte Rap-Songs, in denen er sich über sich selbst lustig macht. Herbert D. Kelleher, genannt „Herb“, ist der ungewöhnlichste Chef einer amerikanischen Fluggesellschaft.

LOS ANGELES. Und er ist der erste, der es zugibt. „Ja, ich bin ein bisschen exzentrisch, na und?“ Der 74-jährige Chairman von Southwest Airlines kann sich seine Exzentrik leisten. Gilt sein Unternehmen doch mittlerweile als die ganz große Ausnahme im desaströsen amerikanischen Fluglinien-Geschäft. Delta, United, US-Airways, Northwest. Alle fliegen mit dem Finanz-Kuckuck auf den Flügeln.

<

Sie stehen unter dem Gläubigerschutz des Konkursrechtes. Nur Southwest, jene Billiglinie aus Texas, macht ordentliche Gewinne. Und nicht wenige glauben, dass es „Air Herb“ – so sein Spitzname – zu verdanken sei, dass es den 27 000 Angestellten so gut geht. „Herb ist ein Boss, der sich um das Wohl seiner Angestellten wirklich kümmert“, sagt Colleen Barrett, Präsidentin des Unternehmens. Es war Kellehers Idee, schon in den 70er-Jahren Gewinnbeteiligungsmodelle für die Angestellten einzuführen. Inzwischen halten mehr als 13 Prozent aller Southwest-Mitarbeiter Aktien der Firma.

Herb, der Altruist? „Sicher, ich freue mich, wenn es meinen Kollegen gut geht. Mir geht es ja auch gut“, sagt der gebürtige Ostküstler, der in New Jersey aufwuchs, mit einem Augenzwinkern. Und dafür sorgt der große, drahtige Mann auch persönlich. Nicht selten steht der gelernte Anwalt morgens auf, um in einer seiner 284 Boeings 737 von Texas nach Las Vegas oder Phoenix zu fliegen. Da setzt sich der millionenschwere Flugzeug-Boss in die Economy Class und betreibt „Feldstudien“. Er fragt Kunden, was Southwest besser machen muss.

„Southwest ist keine Karriere, es ist eine Herzensangelegenheit“, predigt er. Und weiter: „Wir müssen den Kunden zuhören, ihre Wünsche wirklich hören, nur so können wir gute Entscheidungen treffen.“ Ein Marketing-Direktor von Southwest hatte sich einst bei Kelleher beschwert, dass Flugbegleiter besseren Zugang zum Chef hätten als die Führungskräfte. Daraufhin antwortete Kelleher: „Lass es mich so ausdrücken: Sie sind wichtiger als du.“

Diese Philosophie scheint ihm Recht zu geben. 4,2 Milliarden Dollar Umsatz, 433 Millionen Dollar Gewinn. Das Department of Transportation würdigt Southwest jedes Jahr mit bester An- und Abflugzeit, bester Kofferbehandlung, am wenigsten Beschwerden von Kunden in der Branche. Seit 1973 konnte die Fluglinie, die einst mit drei Fliegern begann, jedes Jahr einen Gewinn abliefern.

Seite 1:

Killertomate im Anflug

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%