Herbert Lütkestratkötter
Stratege in der Sackgasse

Für den Vorstandschef des Baukonzerns Hochtief wird es im Abwehrkampf gegen ACS immer enger. Spätestens nach der Hauptversammlung im Mai nächsten Jahres könnte die Amtszeit von "Dr. Lü" zu Ende gehen. Dann hat wohl ACS die Wahl.
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DÜSSELDORF. Großer Auflauf am Düsseldorfer Flughafen: Kamerateams, Fotografen und Dutzende Journalisten füllen den Konferenzraum im dritten Stock der Abflughalle B. Sie wollen hören, welchen Joker Herbert Lütkestratkötter im Abwehrkampf gegen die Übernahmepläne des spanischen ACS-Konzerns noch im Ärmel hat. Es ist Mitte November, und der 60-jährige Hochtief-Chef gibt sich kämpferisch. "Wir bereiten die nächsten strategischen Schritte vor", kündigt er zur Pressekonferenz an, bei der die Quartalszahlen schnell in den Hintergrund rücken.

Vielleicht ist diese Pressekonferenz einer der letzten großen Auftritte Lütkestratkötters, wird schon damals gemunkelt. Denn für den promovierten Bauingenieur wird es immer schwieriger, sein erklärtes Ziel zu erreichen: die Unabhängigkeit von Hochtief zu verteidigen.

Seit Montagnacht gilt das umso mehr: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat das freiwillige Übernahmeangebot von ACS für Hochtief nach einigen Nachbesserungen freigegeben. Damit können die Aktionäre des größten deutschen Bauunternehmens in den kommenden vier Wochen fünf Hochtief - gegen acht ACS-Aktien tauschen. So will der spanische Konzern, der bereits mit 29,98 Prozent an Hochtief beteiligt ist, seinen Anteil zunächst über die 30-Prozent-Schwelle heben, um letztlich die Mehrheit zu erlangen.

Spätestens nach der Hauptversammlung im Mai nächsten Jahres könnte die Amtszeit Lütkestratkötters, der in der Konzernzentrale nur "Dr. Lü" heißt, zu Ende gehen. Dann werden die Vertreter der Kapitalseite im Aufsichtsrat neu gewählt. Und die dürften von ACS bestimmt werden. Denn die Spanier werden mit ihren voraussichtlich gut 30 Prozent dann gemeinsam mit ihrem Partner Southeastern Asset Management, der an beiden Unternehmen rund fünf Prozent hält, die Mehrheit auf der Hauptversammlung haben. Denn in Essen waren zuletzt nur etwas mehr als 60 Prozent des Kapitals vertreten. Der von den Spaniern kontrollierte Aufsichtsrat wird kaum den größten Kritiker der ACS-Pläne, Lütkestratkötter, an der Spitze des Konzerns belassen.

Das passt auch nicht zum geradlinigen Hochtief-Chef, der auf einem westfälischen Bauernhof aufwuchs. Zwar wehrt er sich gerne gegen das Bild des "sturen Westfalen". Doch kaum jemand in- und außerhalb des Unternehmens kann sich vorstellen, dass er Hochtief unter einem Mehrheitsgesellschafter ACS weiterführen wird.

Aber kampflos aufgeben ist die Sache des Mannes nicht, der seit Jahrzehnten in der Bauindustrie arbeitet und den Niedergang der legendären Philipp-Holzmann-Gruppe als Manager erlebte. Noch kann er ACS große Steine in den Weg zur angestrebten Übernahme legen. So lehnt er bislang jeden Kompromiss ab. Zum Beispiel eine Investorenvereinbarung, mit der ACS die weitgehende Unabhängigkeit von Hochtief garantieren will.

Stattdessen will er Deutschlands größten Baukonzern durch eine straffere Organisation "mehr Schlagkraft" verleihen und durch Verkäufe finanziell stärken. Damit will er den Aktienkurs beflügeln und den Umtausch in ACS-Aktion unattraktiver machen. Doch an der Börse schwindet die Hoffnung, dass er die Übernahme noch abwenden kann. In den vergangenen Tagen war der Kurs - trotz eines kurzzeitigen Anstiegs nach Bekanntgabe der BaFin-Entscheidung - kräftig abgesackt.

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  • baFin stimmt zu, wenn ein Schrottladen wie ACS mit eigenen Aktien ein gesundes Unternehmen kaufen kann und kein bargeld mitbringen muss. Man sieht hier ganz deutlich, es muss generell etwas im gesamten weltweit tätigen bankenverband verändert werden. Der nächste weltweite Crash dauert keine fünf Jahre. ACS will sich gesundstoßen, schafft es wahrscheinlich auch. Und die in berlin sitzen auf Augen und Ohren.

  • Wer tauscht schon 5 Hochtief Aktien gegen 8 ACS. Ein schlechteres Geschäft kann man nun wirklich nicht machen. Zahle 285,00 und kriege 269,00. Odre glaubt jemend an die Zukunft von ACS. Ein Ertrinkender versucht noch gerade ins rettende boot zu kommen.....lassen wir ihn doch absaufen.

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