Hermann Franz
Der Auslöser

Der Skandal um die Gewerkschaft AUB geht zurück auf Ex-Siemens-Vorstand Hermann Franz. Der sieht sich noch heute im Recht.

NÜRNBERG. Einmal Siemens, immer Siemens. Anfang 1999 gibt Hermann Franz seinen Posten als Aufsichtsratschef des Münchener Technologiekonzerns ab. Da ist er bereits 70 und hat mehr als 40 Jahre in dem Münchener Traditionshaus auf dem Buckel.

Trotzdem liegt ihm das Unternehmen auch im Jahr 2006 noch so am Herzen, dass er dem Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld eine E-Mail schreibt. Darin lobt er dessen ersten Auftritt auf der Hauptversammlung: „Ich war stolz auf Sie.“

Einige Zeilen später kommt der umtriebige Pensionär dann auf sein Lieblingsthema zu sprechen: die IG Metall. „Das Leben wird uns durch die Gewerkschaften schwergemacht“, lässt er Kleinfeld in einem Ton wissen, als trage er selbst noch Verantwortung.

Welchen Schluss Kleinfeld aus der Mail von Franz gezogen hat, ist nicht bekannt. Die Korruptionsaffäre, die Siemens seit fast zwei Jahren in Atem hält, hat den Manager längst aus dem Amt gespült.

Was der heute fast 80-jährige Franz selbst gegen die IG Metall unternommen hat, wird dagegen immer deutlicher: Er hat die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsräte (AUB) als Gegengewicht zu den verhassten Gewerkschaftern nach Kräften gefördert. In diesen Tagen werden Aufstieg und Fall der AUB ausführlich vor dem Landgericht Nürnberg aufgearbeitet.

Mittwochmorgen halb elf im Sitzungssaal 619: Franz ist als Zeuge im Verfahren gegen den früheren AUB-Vorsitzenden Wilhelm Schelsky und den ehemaligen Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer geladen. Feldmayer muss sich wegen Untreue und Steuerhinterziehung verantworten, Schelsky wird Beihilfe zur Untreue in Tateinheit mit Betrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Schelskys Unternehmensberatung hat von 2001 bis 2006 verdeckte Zahlungen von 30,1 Millionen Euro von Siemens erhalten, um den Aufbau der AUB voranzutreiben.

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