Herz-Geschwister seit Jahren zerstritten
Tchibo-Familienclan geht nun getrennte Wege

Die Tchibo-Familie Herz geht künftig getrennte Wege. Eine Hauptversammlung der Tchibo Holding AG beschloss am Montag in Hamburg, die Geschwister Günter und Daniela Herz sowie den ihnen verbundenen Wirtschaftsprüfer Otto Gellert für rund vier Mrd. € aus dem Unternehmen herauszukaufen.

HB/dpa HAMBURG. „Sie geben ihr Aktienpaket von 39,6 % an die verbleibende Aktionärsgruppe um Michael Herz ab“, heißt es in einer Tchibo-Mitteilung. Das Unternehmen mit einem Umsatz von rund drei Mrd. € und 10 000 Mitarbeitern gehört damit künftig den Brüdern Michael, Wolfgang und Joachim Herz sowie deren Mutter Ingeburg.

Der Trennung waren jahrelange Familienstreitigkeiten vorausgegangen. Günter Herz hat das Unternehmen nach dem Tod des Unternehmensgründers Max Herz jahrzehntelang erfolgreich geführt und mit seinem originellen Geschäftsmodell - dem Verkauf von Kaffee und Gebrauchsartikeln - in eine sehr starke Position gebracht. Auch die Beteiligungen Beiersdorf und Reemtsma entwickelten sich positiv. Von Reemtsma trennte sich Tchibo jedoch, weil die weitere Expansion des Unternehmens hohe Mittel erfordert hätte. Aus dem Verkaufserlös von rund sechs Mrd. € wird nun die Abfindung für Günter und Daniela bezahlt.

Das Unternehmen werde die erfolgreiche Entwicklung der Geschäfte nun weiter vorantreiben, heißt es in der Mitteilung. „Die heute getroffene Regelung erlaubt uns auch in der Zukunft, die bisher in der Vergangenheit verfolgten Ziele weiter zu entwickeln“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Tchibo Holding, Dieter Ammer. Das lässt sich als Hinweis darauf verstehen, dass Tchibo auch weiter an dem Ziel festhält, seinen Beiersdorf-Anteil von gegenwärtig 30 auf 50 % aufzustocken. Dazu wären rund zwei Mrd. € erforderlich.

Die Gewerkschaft ver.di berichtete aus einer Aufsichtsratssitzung nach der Hauptversammlung, die künftigen Eigentümer wollten an dem Beiersdorf-Engagement festhalten, weitere Anteile dazukaufen und die Tchibo Holding langfristig mit wenigstens zwei Standbeinen erhalten. Da Michael Herz diese Punkte zugesagt habe und zudem das Risiko ständiger Auseinandersetzungen im Aktionärskreis nun gebannt sei, hätten die Arbeitnehmer die Veränderungen zustimmend zur Kenntnis genommen. Der Aufsichtsrat wählte Reinhard Pöllath als Nachfolger von Jens Odewald zu seinem neuen Vorsitzenden. Odewald bleibt als einfaches Mitglied in dem Gremium.

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