Herzversagen
Ex-WestLB-Chef Neuber ist tot

Der "rote Pate" vom Rhein hatte die Bank 20 Jahre lang geleitet. Er war ein Quereinsteiger: Ohne Abitur und Studium schaffte der Sohn eines Eisenbahners aus Rheinhausen den Sprung nach oben.

HB BERLIN. Der langjährige Vorstandsvorsitzende der WestLB, Friedel Neuber, ist tot. Wie das Geldinstitut am Sonntag mitteilte, starb der 69-jährige Manager am Samstagmorgen überraschend nach einer ärztlichen Routineuntersuchung an Herzversagen. Die Beisetzung soll in der kommenden Woche im engsten Familien und Freundeskreis stattfinden.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück würdigte Neubers unermüdlichen und leidenschaftlichen Einsatz, mit dem er sich für die Bank und das Land verdient gemacht habe. "Das Land hat ihm viel zu verdanken", erklärte er. Als der Manager 1981 an die Spitze der WestLB gerückt sei, habe er "entscheidungsfreudig und mit klarem Blick für das Machbare" die Bank aus einer schwierigen Phase hinaus wieder auf Erfolgskurs geführt. "Kompromissbereitschaft und Realitätssinn, Geduld und Energie, Beharrlichkeit und Gewissenhaftigkeit zeichneten ihn aus."

West-LB-Chef Thomas Fischer bezeichnete Neuber am Sonntag als überragende Unternehmerpersönlichkeit, die «wie kaum ein anderer in den vergangenen 20 Jahren die Entwicklung der öffentlich-rechtlichen Kreditwirtschaft in Deutschland geprägt» habe. Neuber hatte von 1981 bis 2001 die WestLB geleitet.

Der "rote Pate" vom Rhein war ein Quereinsteiger: Ohne Abitur und Studium schaffte der Sohn eines Eisenbahners aus Rheinhausen den Sprung nach oben. Seine berufliche Karriere begann Neuber als Industriekaufmann bei Krupp. Gleichzeitig machte er in der SPD Karriere. Vom Vorsitzenden der SPD-Fraktion in Rheinhausen und Juso-Chef kam er mit nur 26 Jahren in den Düsseldorfer Landtag. Dort machte er sich als Finanz- und Haushaltsexperte einen Namen.

1969 wechselte Neuber ins Geldgewerbe und wurde Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes. Neuber galt als enger Freund des ehemaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau. Die engen Verbindung zur Politik hielt bis zu seinem Ausscheiden aus der Landesbank. Das Ende seiner Amtszeit war von Skandalen geprägt. Neuber war vorgeworfen worden, die Grenzen zwischen Politik, Geschäft und Privatem zu stark zu verwischen. Höhepunkt war die sogenannte "Flug-Affäre" - die WestLB hatte den Kabinettsmitgliedern teilweise ihre Charterjets zur Verfügung gestellt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte zudem gegen Neuber und weitere Bankvorstände wegen des Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

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