Hewlett-Packard
Patricia Dunn am Abgrund

Für einen Nachruf auf Patricia C. Dunn ist es noch zu früh. Aber alles deutet darauf hin, dass die 53-Jährige das Opferlamm sein wird, das der High-Tech-Konzern Hewlett-Packard (HP) schlachten muss, um den Bespitzelungs-Skandal in seinem Verwaltungsrat unter Kontrolle zu bringen.

je PORTLAND. Am Wochenende beriet sich der Board – ohne Ergebnis. Am Montag holte der Rat auch die Rechtsabteilung hinzu, um zu prüfen, inwieweit der Konzern strafrechtlich belangt werden kann.

Seit Dienstag ist die Bespitzelungsaffäre Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen in den USA. Das „Wall Street Journal“ (WSJ) berichtete, nach der konzerninternen Prüfung des Falls prüften nun auch US-Strafverfolger mögliche Gesetzesverstöße.

Ein Sprecher des Staatsanwalts für den nördlichen Distrikt von Kalifornien habe bestätigt, dass die Staatsanwaltschaft und die US-Bundespolizei FBI die Maßnahmen prüften, mit denen die Führungsspitze des Computerherstellers versucht habe, undichte Stellen gegenüber Journalisten aufzudecken.

Dunn hatte Privatdetektive nach der Quelle für Indiskretionen suchen lassen, die zum Abgang der früheren Konzernchefin Carly Fiorina Anfang 2005 führten. Die Ermittler aber beschafften sich auf illegale Weise Rufnummer-Listen von HP-Verwaltungsratsmitgliedern und Journalisten, wie der Konzern vor kurzem einräumen musste. Dunn sagt, sie habe erst spät von den zweifelhaften Ermittlungsmethoden erfahren.

In Zeitungsinterviews versucht Dunn nun die Schuld auf ihren Hauptgegner abzuladen, den legendären Risikoinvestor Thomas Perkins, Mitgründer der Venture-Capital-Firma Kleiner Perkins Caufield & Byers. Er hatte im Mai den Board aus Protest verlassen, als Dunn Boardmitglied George Keyworth beschuldigte, der Maulwurf zu sein, der Informationen an die Presse gibt. Sie forderte Keyworth zum Rücktritt auf, der weigerte sich, und Perkins erregte sich über die Methoden, mit denen sich die Ermittler private Telefon-Informationen beschafft hatten. Heute sagt Dunn, Perkins sei nicht nur über Einzelheiten der Ermittlungen informiert gewesen, sondern er habe die schärfsten Methoden einschließlich eines Lügendetektor-Tests für Board-Mitglieder gefordert.

Selbst wenn es Dunn nun gelingen sollte, die Schuld auf Perkins zu schieben: Er gehört eben nicht mehr dem Verwaltungsrat an, und so bleibt nur ihr eigener Rücktritt als symbolischer Akt der Selbstreinigung für den HP-Board.

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