High-Tech-Berater
Dem Chaos Einhalt gebieten

Die alte Arbeitsteilung – die Managementberatung schlägt etwas vor, ein IT-Unternehmen setzt es dann um – gibt es nicht mehr. Stattdessen wenden sich viele Auftraggeber heute gleich an einen neuen Anbietertypus, der beides aus einer Hand liefert.

Business Innovation/Transformation-Partner nennt Hartmut Lüerßen, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Lünendonk in Bad Wörishofen, diese neue Generation von Technikunternehmen. Sie bringen das Know-how in High-Tech-Projekte mit, das es sonst nur in den klassischen Beratungshäusern gab.

„Sie versuchen, sich als langfristige Partner zu präsentieren, die das gesamte Leistungsspektrum abdecken“, erklärt er. „ Ihr Service fängt bei der Strategieberatung an, geht über die Betreuung eines IT-Projekts einschließlich Hard- und Software bis hin zum Auslagern von Geschäftsprozessen.“

Die Abgrenzung zwischen IT-Service, Softwaredienstleister und Unternehmensberatung wird damit zunehmend schwieriger. Klassische Strategieexperten wie Accenture oder Capgemini, die sich nach und nach technische Kompetenz aufgebaut haben, prallen in diesem Markt auf die großen IT-Dienstleister wie T-Systems oder die VW-Tochter Gedas. Auch Unternehmen wie HP oder IBM, die früher nur die Technik für komplexe Projekte bereitstellten, tummeln sich hier. Sie alle erwirtschaften inzwischen mindestens zwei Drittel ihrer Umsätze mit Beratung und Dienstleistungen.

Vor allem den einstigen Technikunternehmen ist dieser Wandel nicht leicht gefallen. IBM etwa steckte viel Geld in den Aufbau von Consultingabteilungen und in Werbekampagnen, um nicht nur als Tüftler und Schrauber, sondern auch als kompetenter Berater wahrgenommen zu werden. Die derzeit viel beworbene „neue IBM“ ist nichts anderes als die Consultingabteilung von PWC Consulting, die Big Blue 2002 gekauft hat.

Auch andere Anbieter arbeiten fieberhaft daran, das eigene Portfolio durch Übernahmen zu ergänzen. „Die Situation erinnert mich an die Automobilindustrie in den 90er-Jahren, als die Zulieferer sich langsam zu Systemlieferanten weiterentwickelten“, meint Tobias Ortwein, Berater bei Pierre Audoin Consultants in München. „Die Serviceunternehmen sind immer weniger Dienstleister und werden zu Partnern, die Verantwortung für ständig größere Teile der IT-Wertschöpfungskette bekommen.“

Bei den Kunden dieser neuen Dickschiffe kommt dieser Komplettansatz für umfassende Projekte gut an. Der Grund: Vor allem die großen, internationalen Konzerne arbeiten ständig daran, die Zahl ihrer Dienstleister zu reduzieren. Das gilt auch für den Bereich der IT-Projekte, so Ortwein. „Die Großen kaufen nicht von vielen unterschiedlichen Anbietern, sondern versuchen, sich bei wenigen strategischen Partnern zu versorgen.“

Die Auftraggeber haben zudem eine Hoffnung: Durch die Lösung aus einer Hand wollen sie das notorische Chaos bei Großprojekten, das durch das Zusammenspiel von bis zu 30 Projektpartnern pro Großauftrag entsteht, einschränken. Lünendonk-Experte Hartmut Lüerßen ist überzeugt: „Wenn derjenige, der eine Strategie entwickelt hat, auch für die Umsetzung verantwortlich ist, gibt es später weniger Reibungsverluste.“

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