Hildegard Bäumler-Hösl
Ihr größter Fall

Sie hat den heikelsten Job, den die Justiz zurzeit in Deutschland zu vergeben hat: Staatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl ermittelt im Siemens-Skandal, seit zweieinhalb Jahren. Als Zeugin erzählt die 45-Jährige nun vor Gericht, wie alles begann.

MÜNCHEN. Rollentausch am zweiten Tag im Siemens-Verfahren: Staatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl legt ihre Robe ab und tritt im dezenten schwarzen Kostüm in den Zeugenstand. Es gilt, im Verfahren gegen Ex-Siemens-Manager Reinhard Siekaczek einen der spannendsten deutschen Wirtschaftskrimis aus intimster Perspektive zu erzählen – nämlich aus der Sicht der Ermittler.

Dass die Siemens-Schmiergeldaffäre seit dieser Woche überhaupt vor dem Landgericht München I aufgerollt wird, ist auch das Verdienst von Bäumler-Hösl und ihrem Team. „Das ist ein heikler Fall, auf den das Land schaut und der das Verständnis von Wirtschaftsethik in Deutschland verändern kann“, wird in Justizkreisen betont. Daher sei ihr Job von Beginn an heikel gewesen – auch, weil man es in dem Verfahren mit „besonders haftempfindlichen Personen“ zu tun habe; den Zentralvorstand eines Dax-Konzerns schickt man nicht leichtfertig in Untersuchungshaft.

Diese spannende Aufgabe fällt also Hildegard Bäumler-Hösl zu, die als besonders gründlich bekannt ist. Der anonyme Brief aus dem Jahr 2005 an den Leitenden Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld, in dem der angeklagte Reinhard Siekaczek schwer belastet wurde, landete schnell auf ihrem Schreibtisch. Am 15. November 2006 schlugen die Ermittler dann in einer spektakulären Großrazzia bei Siemens zu.

Um 6.00 Uhr morgens ging es los, erinnert sich Bäumler-Hösl, die mit ruhiger Stimme erzählt. Zu dieser frühen Stunde wusste sie noch nicht, dass schon wenig später ihr Verdächtigter Siekaczek in einem Umfang auspacken würde, von dem Staatsanwälte nur träumen können. Der Ex-Siemens-Manager, der das System schwarzer Kassen mit aufgebaut hat, habe zwar seinen Anwalt angerufen, berichtet die Ermittlerin gestern im Landgericht. „Der Anwalt war aber noch gar nicht eingetroffen, da hat er schon sofort angefangen zu reden.“

Siekaczek hatte sich auf diesen Moment lange vorbereitet, Unterlagen gesammelt, Tagebücher geführt. Das Ergebnis? „Herr Siekaczek hat damit eine Lawine ins Rollen gebracht“, sagt Bäumler-Hösl.

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