Hilmar Kopper
Der Erfüllungsgehilfe

Wie einst als Vorstandssprecher der Deutschen Bank hat sich Hilmar Kopper durch unbedachte Äußerungen und sprichwörtliche Nibelungentreue als Aufsichtsratschef der HSH Nordbank abermals in eine schwierige Situation mit heikler Mission manövriert. Aufgeben will der Westpreuße aber nicht, sondern die krisengeschüttelte Bank in die Zukunft führen.
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BERLIN. Seinem legendären Ruf, den er sich mit der Bezeichnung "Peanuts" für einen 50-Millionen-Mark-Verlust der Deutschen Bank durch den Baulöwen Jürgen Schneider einst verdient hatte, machte Hilmar Kopper zuletzt alle Ehre. So wäre die Suche nach einem Nachfolger für HSH-Vorstandschef Jens Dirk Nonnenmacher, der jetzt nach monatelangem Hin und Her doch noch sein Amt aufgeben wird, zwar sowieso keine leichte geworden. Sie ist aber durch eine Äußerung von ihm noch schwieriger geworden. So erklärte Kopper Ende 2009, als er das neue, auf 500 000 Euro gedeckelte Vergütungsmodell für die Landesbank vorstellte: "Wir erhalten dafür keine Manager aus der Bundesliga." Aber es gebe immer "ein paar Verrückte, die diese Aufgabe reizt".

Und auch bei den anderen Landesbanken machte sich Kopper zuletzt alles andere als beliebt. Ungefragt brachte er seine Empfehlung für die WestLB auf den Punkt: "Abwickeln, keiner braucht die mehr."

Es ist aber nicht die Suche nach einem "Verrückten", die Koppers schwierige Situation ausmacht. Der 75-jährige Westpreuße wurde zudem von der Politik an der Nase herumgeführt. So hatten sich am Dienstag vergangener Woche die Anteilseigner der HSH mit Kopper über ein Verfahren verständigt, wie die Zukunft der Bank ohne Vorstandschef Nonnenmacher gestaltet werden könnte. Die Mehrheitseigner trauten Nonnenmacher nicht mehr zu, die Bank heil aus der Schlammschlacht um Ausspähungsvorwürfe und Intrigen zu führen.

Kopper willigte gegenüber den Anteilseignern Schleswig-Holstein und Hamburg ein, den Prozess als Aufsichtsratschef zu begleiten. Er habe auch zwei Kandidaten im Auge, ließ er den Regierungschef von Schleswig-Holstein, Peter Harry Carstensen, wissen. Alles deutete darauf hin, dass sich Kopper gesichtswahrend von seinem Vorstandschef trennen könnte. Doch am Wochenende überschlugen sich die Ereignisse. Die Kieler FDP forderte in einem Parteitagsbeschluss die sofortige Trennung von Nonnenmacher, und die Hamburger Grünen machten den Fortbestand der Koalition mit der CDU von der Personalie abhängig.

Kopper musste sich wie ein Erfüllungsgehilfe der Politik vorkommen, schließlich hatte der Aufsichtsrat bis dahin keinen Anlass gesehen, sich aus aktienrechtlichen Gründen von Nonnenmacher zu trennen. Konsequenterweise hätte sich Kopper verabschieden müssen, schließlich empfindet er die massive Einflussnahme der Politik als unerträglich. Noch 2009 hatte er verkündet: "Die Eigentümer können nicht den Vorstand abberufen, nur den Aufsichtsrat. Wenn sie Herrn Nonnenmacher entlassen wollen, müssen sie erst einmal mich entlassen."

Doch Kopper bleibt - in Nibelungentreue. Kopper will die HSH Nordbank zu einem Erfolg führen. Den Ausschlag soll ein Gespräch mit dem Kieler Regierungschef Carstensen gegeben haben, der ihn einst auch auf den Posten geholt hatte.

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