Hinter den Kulissen des Bahnkonzerns rumort es immer stärker
Der ewig Kühle und die schwarzen Zahlen

Bahn-Finanzvorstand Diethelm Sack hat gelernt, mit Anfeindungen umzugehen. Der Gerne- und Vielraucher wird sich aber fragen lassen müssen, ob das positive Betriebsergebnis der Bahn nicht zu teuer erkauft wurde.

BERLIN. Stolz oder auch nur Genugtuung zu zeigen, das liegt ihm nicht. Eher beiläufig, ohne jede sichtbare Regung, verkündete Diethelm Sack, Finanzvorstand der Deutschen Bahn AG, am Dienstag vor Journalisten, dass der Konzern dieses Jahr erstmals seit langer Zeit wieder schwarze Zahlen schreiben wird. Ein positives Betriebsergebnis von 200 Millionen Euro ist zwar bescheiden in einem Konzern, in dem es immer gleich um Milliarden geht. Aber immerhin: Zumindest auf dem Papier hat die Bahn ein wichtiges Etappenziel ihrer Sanierungsreise fahrplanmäßig erreicht.

Der Gerne- und Vielraucher Sack wird sich aber fragen lassen müssen, ob dieses Ziel nicht zu teuer erkauft wurde. Denn es ist das Ergebnis eines rigiden Sparkurses, der seit dem Sommer dieses Jahres mit einem „qualifizierten Ausgabestopp“ bis über die Schmerzgrenze verschärft wurde. Etwa 180 Millionen Euro erhofft sich Sack in diesem Jahr davon – fast exakt jene Summe, die am Ende als positives Betriebsergebnis herauskommen soll. Diese Rechnung kommentiert der stattlich-kräftige Mann mit der leisen, manchmal leicht hessisch eingefärbten Stimme mit dem Hinweis, dass er auch Sparen zu den operativen Maßnahmen rechne.

Doch hinter den Kulissen des Bahnkonzerns rumort es immer stärker. Viele Führungskräfte zweifeln an dem Kurs des Unternehmens in Richtung Kapitalmarktfähigkeit und Börsengang – und sie zweifeln an Sack.

Bislang galt er ihnen als der ruhende Pol, als zutiefst sachverständiger Ausgleich zu dem impulsiven Vorstandschef Hartmut Mehdorn. Doch das diktatorische, allumfassende Einfordern von Einsparungen ohne Wenn und Aber sei ein Vorgehen wie mit dem Rasenmäher, klagt ein Manager. Da fehle notwendige Flexibilität, es bleibe kein Spielraum für eigenverantwortliche unternehmerische Entscheidungen. Insbesondere reiben sich die Führungskräfte am Controlling des Finanzchefs: Es steuere nicht, es verwalte nur rigoros, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Den gebürtigen Frankfurter, der zwischen der Berliner Konzernzentrale und der Ehefrau in der alten Heimat pendelt, ficht das nicht an – er hält den von ihm eingeschlagenen Weg für unumkehrbar. Unter dem Sparzwang würden an allen Ecken und Enden des Unternehmens jene Strukturschwächen aufgedeckt, die in fetteren Zeiten eben nicht erkannt würden, ist Sacks Philosophie. Doch er weiß auch: „Nur über Sparen kriegt man kein Unternehmen gesund.“ Immerhin: Die Daumenschrauben, so die Botschaft ans nachgeordnete Management, würden im nächsten Jahr zwar nicht abgenommen, aber doch gelockert.

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