Hinter ihm liegt eine zermürbende Schlammschlacht
Ein Fusionsmanager für die Fraspa-Spitze

In der Sparkasse Hannover schlug die Meldung gestern Nachmittag hohe Wellen: „Einige Mitarbeiter waren regelrecht geschockt“, berichtet ein Angestellter. Grund für die Aufregung: Harald Quensen, Noch-Vorstandssprecher des Instituts, wird am 1. September das Ruder bei der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) übernehmen. „Noch auf der Führungskräftetagung Anfang der Woche hatte sich Quensen nichts über seine berufliche Zukunft entlocken lassen“, sagte ein Teilnehmer der Runde.

HB FRANKFURT. Anfang Juli hatten sowohl Quensen als auch Mit-Vorstand Bernhard Schäfer um ihre vorzeitige Entlassung zum Jahresende hin aus der Doppelspitze gebeten. Offiziell wurde auf die Änderung des Niedersächsischen Sparkassengesetzes hingewiesen, die ab dem 1. Januar 2005 explizit Doppelbesetzungen ausschließt. Das Duo in Hannover war eine direkte Folge der Anfang 2003 vollzogenen Fusion zwischen Stadtsparkasse und Kreissparkasse.

Was unter guten Vorsätzen begann, entwickelte sich im Sommer des ersten Fusionsjahres zu einem Albtraum für alle Vorstände und auch den Verwaltungsrat. Unterschiedliche Meinungen über Beteiligungs- und Kreditengagements bei einem KFZ-Zulieferer und einem Bürogroßhändler eskalierten derart, dass es am Ende zu einer handfesten Führungskrise bei den Hannoveranern reichte. Über Wochen ergötzte sich vor allem die Boulevardpresse am Grabenkrieg zwischen Quensen und Schäfer. Die erste Bilanz des fusionierten Instituts war ernüchternd, nur durch den Griff in die Reserven konnte ein ausgeglichenes Ergebnis dargestellt werden.

„Betriebswirtschaftlich war die Fusion trotzdem beherrschbar, aber das Tischtuch zwischen Quensen und Schäfer war zerschnitten“, sagt ein Mitarbeiter. Die Charaktere seien einfach zu unterschiedlich gewesen, während Schäfer „Säle einstimmen konnte, beherrschte Quensen das kleine Format“, sagt ein Weggefährte.

Von engen Vertrauten wird der promovierte Jurist und Vater zweier Kinder als „Gentleman-Banker“ beschrieben. Seine Stärken seien die klare Analyse und die langfristige Perspektive. Quensen sei stets abwägend und könne als „intellektueller Vordenker“ durchgehen. „Der Mann wirkt vielleicht auf den ersten Blick distanziert, tatsächlich ist er aber im Umgang sehr angenehm“, schildert eine Mitarbeiterin sein Auftreten.

Quensen, der erst am vergangenen Donnerstag vom Fraspa-Verwaltungsratschef Paul Wieandt angesprochen worden war, nimmt auf einem der heißesten Sparkassenstühle der Republik Platz.

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