Hintergrund
Herbert Hainer und die Marke Adidas

Hätte Herbert Hainer seinen Platz als Fußballstürmer bei der SpVgg Landshut aufgegeben und auf den Trainersessel gewechselt - er hätte den Drittligisten über kurz oder lang in die Bundesliga gebracht. Das zumindest legt sein fulminanter Auftritt als Chefcoach bei der Adidas-Salomon AG nahe, dem weltweit zweitgrößten Sportartikelhersteller. Eigentlich kein Wunder: Schließlich wurde er 1954 geboren – genau in dem Jahr, in dem deutsche Fußballer mit Schuhen von Adidas erstmals Weltmeister wurden.

Seine Karriere begann zunächst 1979 beim Konsumgüterriesen Procter & Gamble. Seit 15 Jahren arbeitet Hainer aber bei Adidas. Zwar war der Welt-Konzern aus Herzogenaurach alles andere als ein Amateurverein, als der Linksfüßler Hainer vor zwei Jahren die Geschäftsführung übernahm. Doch das konjunkturelle Umfeld war schon damals so brüchig wie der legendär schlechte Rasen bei Borussia Dortmund. Trotzdem erzielte das Adidas-Team einen Umsatz- und Ergebnisrekord nach dem anderen. Das abgelaufene Jahr endete mit einer Steigerung des Umsatzes um rund sieben Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Der Reingewinn erhöhte sich um fast zehn Prozent auf 229 Millionen Euro. Dieses Jahr soll der Umsatz um fünf Prozent wachsen, der Gewinn um zehn bis 15 Prozent. Eine Prognose, die Analysten für „sehr konservativ“ halten.

Die Idee einer eigenen Freizeitmarke schickte Hainer bei Amtsantritt ins Abseits. Stattdessen setzt der studierte Betriebswirtschaftler auf neue Technologien, auf Innovation und Design. Die Markenarchitektur wurde Ende des vergangenen Jahres neu aufgelegt. Unter „Sport Performance“ laufen seither reine Sportprodukte. Im Bereich „Sport Heritage“ bringt Adidas alte Artikel mit Kultstatus auf den Markt. „Sport Style“ bewegt sich im höherpreisigen Fashion-Bereich. Eine Kollektion des japanischen Modeschöpfers Yohji Yamamoto kommt demnächst in die Läden.

Nicht nur strategisch, auch organisatorisch änderte sich mit Hainer einiges. Bereits vor seinem Antritt als CEO nahm der passionierte Langstreckenläufer die steigenden Kosten ins Visier: Im März 2000 legte er ein 75 Millionen DM teures Wachstums- und Effizienzprogramm auf, um von 2001 bis 2003 jährlich 100 Millionen DM sparen zu können. Dafür nahm Hainer vorübergehend sogar ein schlechteres Ergebnis in Kauf.

Um Entscheidungen schneller und effizienter zu machen, schaffte der Vater zweier Kinder zwei von sechs Hierarchieebenen ab. Forschung und Entwicklung und Kommunikation berichten seither direkt an den Vorstand, der von neun auf sechs Mitglieder verkleinert wurde. Der 48-Jährige reduzierte die Produktpalette um ein Fünftel und verbesserte die Vertriebsstruktur.

Hainer ist mit seinen Prognosen eher zurückhaltend, mit seinen Zielen nicht. In den USA will er zum ewigen Tabellenersten Nike aufschließen und den Marktanteil in drei bis fünf Jahren auf ein Fünftel nahezu verdoppeln. In Asien soll Adidas Marktführer werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Hainer es schafft, stehen nicht schlecht. Seine Ziele verfolgt der CEO konsequent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%