Hintergrund
Störung der Totenruhe kann mit Haftstrafe geahndet werden

Die veröffentlichten Bilder von Bundeswehrsoldaten, die angeblich in Afghanistan mit einem Totenschädel posieren, sind für die Potsdamer Staatsanwaltschaft Anlass für strafrechtliche Ermittlungen.

HB BERLIN. Die in Betracht kommende Störung der Totenruhe ist ein Delikt, das nach dem Strafgesetzbuch (StGB) mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden kann.

Die Vorschrift (Paragraf 168 StGB) lautet: "Wer unbefugt aus dem Gewahrsam des Berechtigten eine Leiche, Leichenteile, eine tote Leibesfrucht, Teile einer solchen oder die Asche eines Verstorbenen wegnimmt, wer daran oder an einer Beisetzungsstätte beschimpfenden Unfug verübt oder wer eine Beisetzungsstätte zerstört oder beschädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

Angesichts der Bilder ist daran zu denken, dass die Soldaten im Sinne der Vorschrift "beschimpfenden Unfug" an einem Leichenteil begangen haben könnten - allein schon, weil sie den Schädel zur Schau gestellt haben. Unter beschimpfenden Unfug versteht die Rechtsprechung eine "grob ungehörige, rohe Gesinnung zeigende Haltung, mit dem dem Verstorbenen ein Schimpf angetan wird", wie es in einem Standardkommentar zum Strafgesetzbuch heißt.

Allerdings müssen natürlich die näheren Tatumstände geklärt werden. Handelt es sich tatsächlich um ein "echtes" Gebein? Sind die Männer auf dem Bild wirklich Soldaten? Wie sind sie an den Totenschädel gekommen? Prinzipiell können auch Auslandsstraftaten von Deutschen durch die deutsche Justiz verfolgt werden, nämlich dann, wenn die Taten auch am Tatort mit Strafe bedroht sind oder in dem fremden Land keine funktionierende Justiz vorhanden ist.

Parallel dazu hat die Bundeswehr laut Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) disziplinarische Ermittlungen eingeleitet. Mit ihrem Verhalten könnten die Soldaten das Ansehen der Bundeswehr geschädigt haben, was nach dem Soldatengesetzen einen Disziplinartatbestand erfüllen könnte. Als Sanktionen könnten am Ende eine Degradierung und eine Entlassung verhängt werden. Dies wären dann aber auch die härtesten Reaktionen, die disziplinarrechtlich möglich wären.

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