Håkan Samuelsson
Die Gnadenfrist des MAN-Chefs ist abgelaufen

Der Rücktritt von Håkan Samuelsson kommt nicht unerwartet. Die seit Monaten schwelende Korruptionsaffäre in der Lkw-Sparte von MAN war das Damoklesschwert, das über dem Schweden schwebte. Sein Sturz hat aber nicht nur mit Schmiergeld zu tun, denn er befand sich schon lange auf dünnem Eis.
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MÜNCHEN. Man darf es ihm abnehmen: Håkan Samuelsson verlässt MAN auf eigenen Wunsch. Zu eng wurde sein Spielraum in den vergangenen Wochen und Monaten, zu mächtig der Druck aus Wolfsburg und Salzburg. Volkswagen, mit knapp 30 Prozent Großaktionär in München, hat seine eigenen Pläne mit dem Traditionsunternehmen, dass der Schwede seit 2004 führt. Und die Pläne werden nicht mehr in München gemacht.

Das Vehikel für Samuelssons Abgang war lange vorbereitet: Die seit Monaten schwelende Korruptionsaffäre in der Lkw-Sparte von MAN war das Damoklesschwert, das über dem Schweden schwebte. MAN-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hatte die Rechtsanwaltskanzlei Wilmer Hale eingeschaltet, nachdem die Staatanwaltschaft München im Mai in einer Großrazzia mehrere Dutzend Filialen von MAN und die Konzernzentrale gefilzt hatte. Die externen Ermittler lieferten Munition gegen zahlreiche Topmanager. Samuelsson blieb zunächst außen vor. Jetzt übernimmt er die Verantwortung für die Korruptionsfälle. Es gibt zwar "keinerlei Hinweise auf eine persönliche Verwicklung Samuelssons", wie es im Konzern heißt. Doch die Situation reicht aus, weil der Schwede sich von Beginn an bei Piëch auf dünnem Eis bewegte. Seine Gnadenfrist ist nun abgelaufen.

Samuelsson hatte 2006 erfolglos versucht, seinen ehemaligen Arbeitgeber Scania feindlich zu übernehmen. Das 10,3 Mrd. Euro schwere Angebot von MAN scheiterte vor allem am Widerstand der Wolfsburger, die damals 34 Prozent an Scania hielten. Samuelsson hatte sich der Unterstützung des damaligen VW-Chefs Bernd Pischetsrieder versichert. Der aber hatte keine Rückendeckung seines Aufsichtsratschefs Piëch. "Samuelsson hatte mit den falschen Leuten bei VW gesprochen", hieß es später in Konzernkreisen.

Die Geschichte liefert dafür den Beweis: Piëch lässt den forschen Schweden Samuelsson bei Scania auflaufen - auch weil die Familie Piëch mit dem zweiten Scania-Großaktionär Wallenberg enge Geschäftskontakte pflegt. Stattdessen dreht der VW-Patriarch den Spieß um: Über Nacht kauft sich VW mit fast 30 Prozent bei MAN ein. Alle Seiten erklären im Januar 2007 einen Burgfrieden und die Absicht, eine friedliche Allianz-Lösung zwischen Volkswagen, Scania und MAN anzustreben.

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