Hobbyflieger Bauer denkt aktuell nicht ans Aufhören
Der stille Matador aus Hamburg

Verleger Heinz Bauer wird am Donnerstag 65 Jahre alt. Er kennt alle Facetten des Verlagsgeschäfts. Der gelernte Schriftsetzer und Buchdrucker ist seit 46 Jahren beruflich aktiv. Auf das Fernsehen ist Bauer auch gut zu sprechen.

DÜSSELDORF. Ob sich Heinz Bauer heute, an seinem 65. Geburtstag, über den gescheiterten TV-Deal ärgert, verrät der schweigsame Verleger natürlich nicht. Der Hamburger Zeitschriftenverleger („Bravo“, „TV Movie“, „TV 14“, „Praline“) hatte im letzten Jahr vergeblich versucht, Pro Sieben Sat 1 zu übernehmen, Deutschlands größten Fernsehkonzern. Haim Saban, der schillernde Medienmilliardär aus Beverly Hills, hatte am Ende die Nase vorne. Vielleicht entging dem stillen Hanseaten damit das Geschäft seines Lebens.

Auf das Fernsehen ist Heinz Bauer ansonsten gut zu sprechen. Als Gesellschafter des hoch lukrativen Big-Brother-Kanals RTL 2 verdient er seit Jahren Millionen. Aber es sind vor allem seine renditestarken Fernsehzeitschriften wie „TV-Movie“, die das Rückgrat seines Printimperiums bilden.

Heute beschäftigt die Hamburger Verlegerfamilie 6 500 Mitarbeiter weltweit. In 13 Ländern erscheinen 120 Zeitschriften. Der Jahresumsatz liegt bei 1,7 Mrd. Euro. Die Anfänge des Konzerns sind bescheiden: Er begann 1875 mit dem Drucken von Visitenkarten. 1896 wurde das erste Blatt, die „Rothenburgsorter Zeitung“, erworben.

Heinz Bauer selbst kennt alle Facetten des Verlagsgeschäfts. Der gelernte Schriftsetzer und Buchdrucker ist seit 46 Jahren beruflich aktiv. Mit 46 holte er noch ein Betriebswirtschaftsstudium an der Universität Hamburg nach. Bereits seit 1984 ist Bauer zum Alleininhaber des Verlags aufgestiegen.

Bauer hat sich im Gegensatz zu manchen Kollegen nicht vom Internetboom berauschen lassen. Im Gegenteil: Der konservative Verleger setzte stets lieber auf Bewährtes. Das Druckgeschäft ließ ihn nie los. Erst im Sommer investierte er in eine große Tiefdruckerei in Polen.

Der Verleger scheut die Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser. An seinem heutigen Geburtstag bleibt der Jubilar zusammen mit seiner Frau Gudrun – seiner wichtigsten Beraterin – und seinen vier Töchtern samt Familie lieber unter sich. Nur dreimal im Jahr lässt er sich auf der öffentlichen Bühne blicken: Um die Bilanz seiner Verlagsgruppe zu präsentieren, um den hauseigenen Medienpreis „Goldene Feder“ in Hamburg und um die „Auto-Trophy“ in Berlin zu vergeben.

Wie lange der Eigentümer, Vorstandschef und Aufsichtsratsvorsitzende Heinz Bauer noch das Unternehmen führt, ist offen. Auf alle Fälle ist die nächste Generation für die Übernahme des Zeitschriftenimperiums gut vorbereitet. Die Ausbildungen reichen vom Verlags- und Buchgeschäft über Journalismus bis zu Betriebswirtschaft. Die Verlegerfamilie in fünfter Generation legt Wert auf Kontinuität.

Hobbyflieger Bauer denkt aber aktuell nicht ans Aufhören. Trotz seines Rentenalters ist er aktiv. Erst im März hat er das monatliche Männermagazin „Matador“ gegründet. Die Absicht ist klar: „Matador“ soll eine Schneise ins Luxussegment schneiden. Dort locken lukrative Werbeetats für edle Uhren, teure Parfüms und exklusive Klamotten – ein Matador mitten in der Werbekrise.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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