Hobbys der Milliardäre
Bill Gates wäscht Mark Zuckerberg den Kopf

In einem Interview hat Microsoft-Gründer Bill Gates die philanthropischen Anstrengungen anderer Milliardäre hinterfragt. Die Versorgung der Welt mit Internetanschlüssen sei unwichtiger als der Kampf gegen Malaria.
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DüsseldorfDie Milliardärsdichte im Silicon Valley ist hoch, die sozialen Ambitionen der Reichen ebenfalls. Während die Google-Gründer sich für das selbstfahrende Auto stark machen oder die Suche nach dem ewigen Leben forcieren, setzt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg etwa darauf, den Zugang zum Internet weltweit zu ermöglichen. „Das Vernetzen der Welt ist eine der größten Herausforderungen unserer Generation“, schrieb Zuckerberg im August. Nur 2,7 Milliarden Menschen seien an das Internet angeschlossen, fünf weitere Milliarden hätten zu folgen. Sein Ziel und das der IT-Branche müsse sein, das zu ermöglichen.

In den Augen von Microsoft-Gründer Bill Gates liegt Zuckerberg damit daneben. In einem Interview mit dem Magazin der Financial Times bezieht der 58-Jährige Milliardär eine Gegenposition. „Ich liebe diese IT-Sache“, sagt Gates dort. „Aber wenn man Leben verbessern will, muss man sich mit elementareren Dingen beschäftigen wie der Kindersterblichkeit und -ernährung.“ Dem Thema Internetverbindungen Priorität zu verleihen – diesen Ansatz nennt er schlicht einen „Witz“.

Gates hatte sich im Jahr 2008 bei Microsoft aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, um sich mehr um die Arbeit der „Bill & Melinda Gates Foundation“ kümmern zu können. Er hatte strategisch überlegt, wie er mit seinen Milliarden am effizientesten Einfluß auf das Leben vieler Menschen nehmen könne. Unter anderem beschäftigt sich die Stiftung mit dem Kampf gegen Malaria. Von der Arbeit des Ehepaars Gates zeigte sich auch sein Freund Warren Buffett begeistert, der seit einigen Jahren den Großteil seines Vermögens Schritt für Schritt an die Stiftung überträgt.

„Nehmen Sie den Malaria-Impfstoff, dieses verrückte Ding, an das ich denke“, führte Gates im FT-Gespräch aus. „Was ist bedeutender, Internetverbindungen oder ein Malaria-Impfstoff? Wenn man denkt, Verbindungen sind der Schlüssel, mag das großartig sein. Ich denke das nicht.“ Ebenso so sehr verwundere ihn, wie viele Milliardäre für neue Museumsflügel spendeten, anstatt etwa Geld für den Kampf gegen Blindheit zu geben.

Bereits im August hatte Gates ein Google-Projekt kritisiert, das mit Hilfe spezieller Ballons Internetverbindungen in entlegene Gegenden bringen will.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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  • es gibt Leute, die brauchen Hilfe, hier und jetzt. Denen bringt ein Internet-Zugang nichts. Malaria ist für jene eine direkte Bedrohung. Das heisst ja nicht, dass das Verfügbarmachen von Wissen unwichtig wäre, aber 1. gibt es dringendere Probleme des alltäglichen Überlebenskampfes und 2. wird die Bereitstellung von Wissen allein nicht den Umstand beseitigen, dass Armut und Sozialisation systemische bedingte Armut reproduziert - ganz egal, wie modern der Internetzugang ist, mit dem man dann die Hauptseite der Boulevard-Presse abonniert.

  • Ein Volk, oder eine Bevölkerungsschicht, dem droht von Antidemokraten oder auch nur von Unmenschen regiert zu werden, kann dem erfolgreich entgegenstehen, wenn es schafft, seine Unwissenheit darüber zu überwinden.
    Wissen ist die wirksamste Waffe gegen Hunger, Verelendung und Despotismus, denn wer weiß, der lässt sich nicht hinters Licht führen.
    Von daher scheint mir der Gedanke von freiem, bezahlbaren (kostenlosen?) Internet für die Welt einen Versuch wert!

  • Also ich bin da ganz auf der Linie von Bill.
    Was bringt mir denn ein Internetzugang, wenn ich auf der anderen Seite nicht weiß, wovon ich mich und meine Kinder ernähren soll?

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