Hochschulräte
Die unkontrollierte Macht der Manager an den Unis

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Mitunter werden Hochschulräte auch überfordert: So müssen sie im Saarland Prüfungsordnungen abhaken und in NRW Beurlaubungen absegnen. Ob es der Sache dient, dass ausgerechnet der umstrittene Ex-Karstadt-Chef Thomas Middelhoff als Hochschulrat die Finanzen der Uni Münster prüft, wollte Breuer nicht kommentieren.

das Handbuch und ein intensiver Dialog sollen helfen "die richtigen Schlüsse aus den Erfahrungen der ersten Jahre zu ziehen", hofft Horst Nasko, Vorstand Nixdorf-Stiftung. Dann könnten die Hochschulräte "ein zentraler Baustein zur Modernisierung der Hochschulen sein". Mittelfristig strebt der Stifterbverband sogar einen Kodex für gute Hochschulführung an.

Welche Reformen möglich sind, zeigt das Beispiel der Stiftungsuni Frankfurt, deren Hochschulrat besonders viel macht hat. Ex-Deutschbanker Breuer ist dort sogar Dienstvorgesetzter des Präsidenten, seiner Vertreter und des Kanzlers. Er hat mit diesen private Verträge ausgehandelt. Nun verdienen sie nicht nur deutlich mehr als andere Präsidenten, berichtete Breuer, sondern ein Teil ihres Gehaltes ist an Zielvereinbarungen geknüpft.

Als Kriterien für den Erfolg der altehrwürdigen Goethe-Uni Frankfurt gelten nun etwa die zahl der Studenten, die Absolventenquote in der Regelstudienzeit, die Zahl der Zitate er Professoren in der Fachliteratur oder die Höhe der eingeworbenen Drittmittel.

"Wir achten auch darauf, wie oft wir es schaffen, bei Berufungen den Wunschkandidaten zu bekommen", erzählt Breuer, der zudem auf schnellere Berufungen drängt. Im Schnitt dauern die an deutschen Unis rund zwei Jahre - "wir hatten neulich einen Fall, wo wir es in zwei Monaten geschafft haben".

Dass Hochschulräte und Uni mitunter auch gegeneinander arbeiten, zeigte jüngst der Fall TU Berlin. Dort sitzt dem Kuratorium, wie hier der Hochschulrat heißt, Ex-Daimler-Vorstand Manfred Gentz vor. Er genießt allerdings bei weitem nicht die Machtfülle, die Breuer hat. Bei der Wahl des TU-Präsidenten darf das Kuratorium nur eine Empfehlung abgeben. Als der Senat unlängst Jörg Steinbach zum neuen Präsidenten erkor, zeigte sich Gentz öffentlich enttäuscht. Sein Kandidat sei deutlich geeigneter gewesen, die Defizite der TU zu beheben. Daraufhin hielt ihm die Uni Rufschädigung vor.

Analog zu den Aufsichtsräten müssten zumindest mächtige Hochschulräte eigentlich Jahr für Jahr entlastet werden, meinen das CHE, der Stifterverband und auch Breuer. "ich weiß allerdings nicht, von wem?", zeigt sich der Ex-Deutschbanker ratlos. Denn wenn diese Aufgabe den Parlamenten oder den Wissenschaftsministern zufalle, "ist das ja wieder die Steuerung der Hochschule durch die Hintertür, die sie an die Hochschulräte abgetreten haben".

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Hochschulräte: Die unkontrollierte Macht der Manager an den Unis"

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  • Da weiß der Herr nicht, von wem er entlastet werden soll, wenn die Hochschule autonom bleiben will...
    Schon mal an die Mitglieder der Hochschulen gedacht?
    Aber von demokratischen Hochschulen wollen diese "Lenker" nichts Wissen. Diese neuen Strukturen stinken zum Himmel - und das fällt nun endlich auch mal den Hochschulräten selber auf. Nur ziehen sie nicht die richtigen Schlüsse!

  • Und nicht zu vergessen ist: Diese Manager sind alle selber Absolventen von Hochschulen und dort ausgebildet worden.

    Sie repräsentieren somit gleichfalls die Ausbildung. Ein System in sich selbst geschlossen.

  • Der Artikel ist ja ganz interessant, aber gibt es beim Handelsblatt niemanden, der vor der Veröffentlichung zumindest einmal gegenliest? in einem professionellen Artikel habe ich selten so viele Rechtschreibfehler gesehen, die zumindest mich teilweise vom inhalt ablenkten. Schade eigentlich...

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