Hochtief-Chef Lütkestratkötter
Schussfester Westfale

Herbert Lütkestratkötter übernimmt den Chefposten bei Hochtief in turbulenten Zeiten. Er muss mit dem neuen Großaktionär ACS klarkommen und die Rendite steigern. Aber er ist hart im Nehmen.

DÜSSELDORF. Der Ort hätte nicht besser gewählt sein können: die Konferenzzone im Abflugbereich des Düsseldorfer Flughafens. „Jetzt ist Boarding Time“, witzelte denn auch Herbert Lütkestratkötter gestern bei seinem ersten großen Auftritt auf der Bilanzpressekonferenz des größten deutschen Baukonzerns.

„Boarding Time“ für den 56-Jährigen. Der schlanke Maschinenbauingenieur mit dem sorgfältig gescheitelten grauen Haar übernimmt am 1. April den Vorstandsvorsitz des größten deutschen Baukonzerns. Aber gestern durfte er schon mal ran und sagen, wo es künftig langgehen soll.

„Wir wollen profitabler werden, neue Geschäftsfelder erschließen sowie in Russland und in die arabischen Märkte einsteigen“, kündigte Lütkestratkötter an.

Der Mann aus dem Münsterland, dem man mit seiner kernigen, geraden Art den Chef eines Baukonzerns gerne abnimmt, tritt den neuen Posten in turbulenten Zeiten an. Sein Vorgänger, Hans-Peter Keitel, hatte im November überraschend angekündigt, er werde vor Ablauf seines Vertrags aus „persönlichen Gründen“ abtreten. Was sich genau dahinter verbirgt, ist bis heute nicht klar. Und dann steigt jetzt noch ein neuer Großaktionär bei Hochtief ein. Der spanische Bauriese ACS hat überraschend das 25,08-Prozent-Paket des Finanzanlegers Custodia gekauft.

Doch dürfte Lütkestratkötter den Einstieg des Konzerns von Florentino Pérez erst einmal mit Erleichterung aufgenommen haben. Denn seit Wochen drohte Hochtief der Einstieg einer „Heuschrecke“ und damit die Zerschlagung. Die Diskussion sorgte für erhebliche Unruhe im Konzern und weckte bei Lütkestratkötter unangenehme Erinnerungen.

Denn schon einmal erlebte er den Niedergang eines Konzerns. Er hatte seinerzeit kaum als neuer Vorstand beim Baukonzern Philip Holzmann angefangen, da durfte er schon wieder seine Sachen packen. Das Unternehmen war pleite. Dies habe ihn „schussfester“ gemacht, sagt er heute.

Vorsorglich hat Lütkestrattkötter, der bei seinen Vorstandskollegen nur „Dr. Lü“ heißt, deshalb schon einmal mit seinem Vorstandskollegen Peter Noé bei den Spaniern vorgefühlt. Aber erst am kommenden Montag wird es wirklich ernst. Da trifft sich das deutsche und das spanische Management zu einem wirklichen Sondierungsgespräch. Es gilt als unwahrscheinlich, dass sich ACS auf Dauer mit einer Sperrminorität begnügen wird.

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