Hochtief
Herbert Lütkestratkötter: Zäh und sturmerprobt

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter setzt in der Rezession nicht nur auf Zuversicht. Eine erweiterte Angebotspalette und stärkere Internationalisierung sind das Konzept des Baukonzern-Managers. Fraglich ist jedoch, ob es aufgehen wird.

DÜSSELDORF. Der Ort: ein wenig verstaubtes Ambiente, aber gleichwohl ehrfurchterheischend. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach ist hier ein- und ausgegangen, August und Fritz Thyssen stiegen schon die Treppe in die erste Etage des Düsseldorfer Industrieclubs empor. Und nun blicken die großen Wirtschaftsführer der Vergangenheit von ihren Gemälden an den Wänden auf Herbert Lütkestratkötter, Chef des größten deutschen Baukonzerns. Da heißt es, Haltung zu bewahren.

Und Lütkestratkötter lässt während seines Vortrags in dem traditionsreichen Wirtschaftsclub keinen Zweifel daran, in welcher Liga er mitzuspielen gedenkt: ganz oben. Wirtschaftskrise, Rezession? "Davon lassen wir uns nicht unterkriegen", sagt der "Münsterländer von Geburt und Überzeugung". Die Baubranche sei krisenerprobt. Der Mann vom Bau gibt den Optimisten, auch wenn von acht börsennotierten Baukonzernen Ende der 90er-Jahre in Deutschland heute mit Hochtief und Bilfinger Berger nur zwei die jahrzehntelange Baukrise überlebt haben und die Baukonjunktur jetzt erneut abkühlt.

Erweiterte Angebotspalette und Internationalisierung lautet sein Erfolgsrezept. Immerhin erzielt Hochtief etwa 85 Prozent seiner Bauleistung im Ausland, vor allem in Asien und in Amerika. Beim Konkurrenten Bilfinger ist es deutlich weniger. Das sichert ab gegen regionale Konjunkturschwankungen - aber auch gegen eine weltweite Krise?

Auch wenn "Dr. Lü", wie Mitarbeiter den promovierten Maschinenbauer nennen, erst Ende März seine Bilanz vorlegen will und erstmals seit Jahren auf eine Präsentation vorläufiger Zahlen verzichtet, lässt er doch durchblicken, dass die Auftragslage nicht nur stabil ist, sondern der Auftragseingang sogar noch zulegt. "Die Pipeline ist bei uns nicht abgerissen", sagt er. Der Auftragsbestand reiche aus, um Hochtief die nächsten 19 Monate auszulasten.

Bei Bilfinger sind die Bestellungen 2008 dagegen zurückgegangen. Das liegt laut Bilfinger-Chef Herbert Bodner daran, dass nur noch werthaltige Aufträge akzeptiert würden. Doch das gilt auch für Hochtief. Bilfinger aber zieht sich immer mehr aus dem Baugeschäft zurück, ist nicht mehr in den USA tätig und auch nicht mehr in Frankreich. Das könnte in Zeiten, in denen viele Länder Konjunkturprogramme auflegen, schnell zum Nachteil werden. Denn von den Milliarden profitieren vor allem die Baukonzerne. Lütkestratkötter sieht denn auch "erhebliche Chancen" für Hochtief.

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