Hochvernetzte Welt
Japan-Drama zeigt Risiken der Arbeitsteilung

Die Katastrophe in Japan zeigt, dass viele Unternehmen beim Aufbau globaler Lieferketten übertrieben haben. Sie sparen Millionen, riskieren aber Produktionsausfälle.

Wenn in Asien früher die Erde bebte, ganze Landstriche überschwemmt wurden oder die Umwelt verseucht wurde, löste das in Europa Mitgefühl und Spendenbereitschaft aus. Wirtschaftlich betroffen aber war niemand.

In unserer heutigen hochvernetzten Welt jedoch ist das anders. Seit zwei Wochen können wir verfolgen, wie die Katastrophe in Japan die anfänglichen optimistischen Äußerungen von Ökonomen und Analysten widerlegt, die Auswirkungen auf andere Länder würden minimal sein. Selbst regionale Krisen können heute enorme Auswirkungen auf die globale Wirtschaft haben.

Das starke Beben im scheinbar so fernen Japan löste nicht nur eine Flutwelle aus, die dort Fischerdörfer und mehrere Atomreaktoren vernichtete. Ein zweiter, wirtschaftlicher Tsunami breitet sich derzeit über den gesamten Erdball aus. Schleichend erfasst er die langen globalen Lieferketten. Immer mehr Unternehmen - von Louisiana bis Thüringen - geraten in den Sog der zerstörten Infrastruktur in der japanischen Provinz. Weil wichtige Bauteile von dort fehlten, mussten General Motors und Opel zeitweilig ihre Bänder anhalten. Wer hätte sich das vor zwei Wochen ausgemalt?

Alles Schicksal und höhere Gewalt? Mitnichten. Die meisten Unternehmen haben selbst Schuld an der Verwundbarkeit ihrer Lieferketten. Denn sie haben das Prinzip der schlanken Produktion zur Religion erhoben. Gerade die Autobauer haben die Just-in-time-Fertigung auf die Spitze getrieben. Um so wenig Kapital wie möglich zu binden, haben sie ihre Lagerbestände quasi auf die Straße verlagert.

Ausfallrisiken dagegen haben viele ausgeblendet oder vermeintlich auf die Zulieferer abgewälzt. Versorgungssicherheit war kein Thema. Kostenkiller haben die Lieferketten gnadenlos auf schlank getrimmt. Die Zahl der Lieferanten und Puffer haben sie minimiert. Wie sonst hätten Unternehmen im gnadenlosen Wettbewerb bestehen können?

Einkaufsberater haben - nicht erst seit der Krise - Hochkonjunktur. Die größten Pfennigfuchser unter den Einkäufern, sie wurden belohnt und befördert. Wer als Beschaffer Risiken einkalkulierte, galt als notorischer Schwarzseher und Kostentreiber.
Manager müssen sich nun fragen, ob sie es mit der Kostenoptimierung nicht zuweilen übertrieben haben. Um eine Schraube ein paar Cent billiger aus Asien zu beziehen, nehmen sie weite und extrem anfällige Transportwege in Kauf.

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