Hohes Maß an Effizienz
Profumo und Unicredito: Italiens Traumpaar der Finanzbranche

Wenn südlich des Brenners die Rede auf erfolgreiche Banker kommt, dann ist einer in aller Munde: Alessandro Profumo. Der italienische Banker hat immer einen Plan B parat.

MAILAND. Wer in Italien eine herausragende Großbank sucht, stößt schnell auf Unicredito Italiano. Und wenn südlich des Brenners die Rede auf erfolgreiche Banker kommt, dann ist einer sofort in aller Munde: Alessandro Profumo. Kein Top-Manager der Finanzbranche verkörpert derart beispielhaft eine Erfolgsstory, wie der 46-jährige Chef des Instituts aus Mailand. Seit Profumo 1996 an die Spitze von Unicredito rückte – damals als jüngster je in Italien nominierter Bankchef – hat er aus einer losen Ansammlung regionaler Institute einen Konzern mit internationaler Schlagkraft geformt. Die Marktkapitalisierung hat sich unter seiner Führung mehr als verfünffacht; mit einem Börsenwert von 25 Mrd. Euro spielt Unicredito heute als einzige italienische Bank im Konzert der ganz Großen in Europa mit.

Wegbegleiter Profumos sehen die Gründe für seinen Erfolg in einer Mischung aus Planung und Spontanität. „Alessandro ist ein Manager, der sich globale Ziele setzt und diese Ziele dann mit einem Höchstmaß an Energie verfolgt. Dabei verkrampft er aber niemals, sondern reagiert mit großer Flexibilität auf Veränderungen des Umfeldes oder unvorhersehbare Hürden. Kurz: Er hat immer einen Plan B parat, wenn Plan A nicht möglich ist,“ sagt ein langjähriger Manager des Instituts. Profumo scheint frei von jeglicher Ideologie, das verschafft ihm oft genug, einen Vorsprung vor seinen Konkurrenten.

So verabschiedete er sich Ende der 90er-Jahre von der Vorstellung, durch große Akquisitionen im Inland weiter zu wachsen, nachdem die allmächtige Notenbank die geplante Übernahme der Banca Commerciale Italiana und der Banca Nazionale del Lavoro vereitelt hatte. Auch ließ er die Idee fallen, Unicredito mit Banco Bilbao (heute BBVA) zu fusionieren, da das spanische Institut durch die Übernahme eines einheimischen Konkurrenten (Argentaria) zu groß geworden war. Statt dessen legte Profumo alle Kraft in sein Projekt „New Europe“, das in Analystenkreisen oft als visionär bezeichnet wird: In verhältnismäßig kurzer Zeit kaufte der an der Eliteuniversität Bocconi ausgebildete Manager in den Reformländer Mittel- und Osteuropas sechs Banken, wodurch Unicredito neben der belgischen KBC und der Ersten Bank aus Österreich zum wichtigsten ausländischen Player der Region wurde. Im letzten Jahr haben Pekao in Polen, Zagrebacka in Kroatien, Bulbank und Bulgarien, Demirbank in Rumänien, Zivnostanska in Tschechien und Unibanca in der Slowakei bereits 12 % zum Konzerngewinn von 1,8 Mrd. Euro beigesteuert – in fünf Jahren sollen es im Zuge der EU-Osterweiterung 20 % sein. Doch Profumo wäre nicht Profumo, wenn er sich nach all diesen Deals keine weiteren Operationen im Rest Europas vorstellen könnte. Jüngst sagte er in diesem Zusammenhang: „Unicredito hat vor, in den kommenden 10 Jahren, in denen eine internationale Integration unweigerlich statt finden wird, einer der Hauptdarsteller in Europa zu bleiben.“

Neben der Expansion jenseits der Grenzen hat es Profumo besser als jeder andere Bank-Boss in Italien geschafft, sein Institut zu Hause auf Vordermann zu bringen. „Unsere Aufmerksamkeit für die Kostenseite ist von Besessenheit geprägt,“ sagte er vor einigen Monaten in einem Interview mit dem Handelsblatt. Resultat: Mit einem Verhältnis zwischen Kosten und Erlösen von 54 % ist Unicredito neben einigen britischen Häusern eine der wirtschaftlichsten Banken in Europa. Deutsche Kreditinstitute – aber auch einige italienische Konkurrenten – arbeiten oft mit Kostenquoten von 70% und mehr. Einer der wichtigsten Gründe für das hohe Maß an Effizienz ist nach Ansicht von Branchenbeobachtern das Organisationstalent und die Technologieorientierung von Profumo. Frühzeitig hat er die Wichtigkeit einheitlicher EDV-Systeme und die Notwendigkeit der Prozessoptimierung erkannt. Seine Vergangenheit bei den Unternehmensberatungen McKinsey und Bain war ihm dabei natürlich von Nutzen.

Sein bislang letzter Coup in Sachen Reorganisation ist die Aufspaltung von Unicredito in drei getrennte Institute für Privatkunden, Firmenkunden und die wohlhabende Klientel. Diese Projekt namens S3 hat zum Ziel, den Konzern in eine „Multispezialbank“ zu verwandeln – ein in Europa bislang beispielloser Vorgang. Profumo: „Dies ist zwar ein schwieriges Vorhaben, es gibt uns aber außergewöhnliche Zukunftsperspektiven.“ Hintergrund des Projektes sind die unterschiedlichen Methoden, mit denen die drei Geschäftsfelder gemanagt werden müssen. Durch die Spezialisierung könne die Bank die Beratungsqualität verbessern, Produkte mit höheren Margen verkaufen und die Kundennähe steigern, glaubt Profumo.

Die Erfahrungen der ersten Monate von S3 zeigen allerdings, dass speziell die Hoffnung auf mehr Kundennähe nicht leicht in die Wirklichkeit umzusetzen ist. In der Tat haben seit Anfang des Jahres eine Vielzahl von Kunden dem Haus aus Verunsicherung den Rücken gekehrt. Die lokale und regionale Verwurzelung der Bank beizubehalten wird von Experten als größte Herausforderung gesehen. Aber ohne Herausforderungen würde sich ein Manager wie Profumo ohnedies nur langweilen. Wie pflegt er zu sagen? „Man muss eben kräftig in die Pedale treten, um seine Versprechungen einzuhalten.“

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