Hohes Pensum
Einflussreicher Kämpfer

Manfred Schneider, Chef des Aufsichtsrats beim Industriegase-Konzern Linde, hat im Fall Siemens Stärke gezeigt. Er hat den Druck widerstanden und den Vorstandschef Wolfgang Reitzle im eigenen Haus gehalten.

HB DÜSSELDORF. Der Mann hat Stehvermögen: Mehrere Wochen lang bearbeiteten ihn die Siemens-Aufseher Gerhard Cromme, Josef Ackermann und Michael Diekmann. Er sollte als Aufsichtsratschef der Linde AG den Weg freimachen, damit deren Vorstandschef Wolfgang Reitzle auf den vakanten Chefposten bei Siemens wechseln kann.

Doch Manfred Schneider hat allem Druck widerstanden. Der Oberkontrolleur von Linde hatte von Beginn an klar gemacht, dass er Reitzle nicht ziehen lassen wolle. Zu wichtig sei dessen Rolle für die erfolgreiche Integration des Milliardenzukaufs BOC in den Konzern.

Damit hat der 68-Jährige gleich zwei seiner typischen Eigenschaften wieder einmal deutlich unterstrichen: Schneider nimmt seine Arbeit als Aufsichtsrat sehr ernst. Und er ist von Natur aus ein Kämpfertyp mit einem Schuss Sturheit.

Dieser Charakterzug offenbarte sich bereits mehrfach in Schneiders Karriere. Etwa in seiner Zeit als Vorstandschef der Bayer AG von 1992 bis 2002. Seit Ende der 90er-Jahre sah sich Schneider auf Treffen mit Analysten der ewigen Frage ausgesetzt, wann er gedenke, das Chemie-Pharma-Konglomerat aufzuspalten. Er tat es nicht und reagierte auf Provokation von Seiten des Finanzmarkts entweder gezügelt sachlich – oder schoss zurück. Legendär ist Schneiders Spruch, der in keinem Porträt über ihn fehlen darf: „Ein Analyst ist jemand, der hundert Stellungen kennt, aber noch nie eine Frau gehabt hat.“ Man nimmt ihm so etwas nicht wirklich übel, was daran liegen mag, dass er menschliche Züge hat und sympathisch wirkt.

Flotte Sprüche hört man heute zwar kaum noch von dem Sportfan (Tennis, Fußball – natürlich Bayer 04 Leverkusen). Doch im Hintergrund ist Schneider in der Wirtschaft so präsent wie nie: Eine Untersuchung kürte ihn jüngst zum einflussreichsten Unternehmenskontrolleur Deutschlands. Sechs Aufsichtsratsposten hat er: Daimler-Chrysler, Metro, Tui und RWE, bei Linde und Bayer leitet er die Kontrollgremien.

Aufsichtsratskollegen bescheinigen Schneider, dass er dabei ein hohes Arbeitspensum vorlegt und sich detailliert vorbereitet – und dass er als Berufsaufsichtsrat dazu beigetragen hat, die Arbeit in den Gremien zu professionalisieren. Im Fall Linde/Siemens hat er zudem gezeigt, dass die alten Seilschaften der Deutschland AG nicht mehr so einfach funktionieren wie einst.

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