Horst Piepenburg
Der freundliche Briefträger

Horst Piepenburg, neuer Chef der Pin Group, soll den Postkonkurrenten aus der Krise führen. Der 53-Jährige gilt als renommierter Insolvenzverwalter. Unter seiner Regie wurde eine der größten Pleiten der Republik abgewickelt: Babcock -Borsig. Die meisten der damals bedrohten 21 000 Arbeitsplätze gibt es noch heute.

DÜSSELDORF. Für Horst Piepenburg scheint das ganze Leben eine Freude zu sein. Immer ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen, ein freundliches Wort, eine launige Bemerkung. Aber dosiert, nicht aufdringlich oder unangemessen. Denn der 53-Jährige hat einen durchaus ernsten Beruf. Insolvenzverwalter ist der gebürtige Rheinländer, dazu noch einer der renommiertesten in Deutschland.

Gerade tritt er seinen neuesten Fall an. Die Pin Group, erster ernsthafter Konkurrent der gelben Post im Briefgeschäft droht vor die Wand zu fahren, weil Großaktionär Springer die Launen der Politik falsch ein- und die Folgen eines Mindestlohns schwer unterschätzt hat. Es geht um 9 000 Arbeitsplätze, die im Falle einer Insolvenz verlorengehen könnten.

Doch große Zahlen können Piepenburg nicht schrecken. Schließlich hat er eine der größten Pleiten dieser Republik abgewickelt: den Maschinenbaukonzern Babcock -Borsig. Dabei ging es immerhin um 21 000 Arbeitsplätze - die meisten davon gibt es übrigens noch heute.

Genau diese Art des Bilanzierens ist dem gelernten Juristen Piepenburg auch am liebsten. Sein Spezialgebiet seit der Reform des Konkursrechts vor fast einem Jahrzehnt ist die fortführende Sanierung. Will heißen: Ähnlich dem amerikanischen Chapter 11 können insolvente Firmen weitergeführt und unter dem Schutz vor Gläubigern saniert werden.

Der angenehme, etwas untersetzt wirkende Herr aus der Düsseldorfer Kanzlei Piepenburg-Gerling übernimmt denn auch gern die Rolle des Vorstandsvorsitzenden in den Unternehmen. Dass ihm bei dieser Gelegenheit noch ein unabhängiger Kollege als gerichtlich bestellter Insolvenzverwalter im Nacken hängt, stört kaum. Piepenburg mangelt es nicht an Selbstbewusstsein.

Das trägt er aber nicht vor sich her wie andere ihre neue Krawatte. Understatement ist eher seine Devise. Auf die Frage, ob er sich denn traue, einen so großen Industriekonzern wie Babcock zu führen, sagte der Insolvenzexperte vor Jahren nur, dass er schon in "viele Branchen hineingeschnuppert habe. Da sammelt man so seine Erfahrungen." Trotzdem weiß der politisch gut verdrahtete Anwalt, was er sich zutrauen würde. Babcock-Chef wäre er "auch ohne den Schutz des Insolvenzrechts" gern geworden. Auch sein gutes Verhältnis zum früheren Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hätte ihm dabei nicht geholfen.

Seite 1:

Der freundliche Briefträger

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%