HRE-Chef
Der unterschätzte Krisenmanager

Axel Wieandt ist eigentlich ein vorsichtiger Typ. Und dennoch hat der Chef der Hypo Real Estate nicht lange überlegen müssen und ist kurzentschlossen als Feuerwehrmann beim Immobilienfinanzierer eingestiegen. Mit Bankensanierungen hatte Wieandt vorher nichts zu tun, doch wächst er an seiner Aufgabe.

FRANKFURT. Seine Worte wiegt Axel Wieandt genau ab, versucht druckreif zu reden. Sich konzentriert, aber gleichzeitig locker und entspannt zu geben, das ist seine Sache nicht. Der Banker ist eigentlich ein Vorsichtiger. Trotzdem hat der Chef des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) nicht lange überlegen müssen und ist ins kalte Wasser gesprungen, als ihn sein ehemaliger Boss Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, bat, bei der Rettung der HRE eine, vielleicht die entscheidende Rolle zu spielen.

Obwohl Wieandt vorher nichts mit Bankensanierungen zu tun hatte. Er kam aus dem Talentschuppen der Deutschen Bank, kaufte und verkaufte mehrere hundert einzelner Unternehmen und Unternehmensbeteiligungen und schob so Milliarden hin und her. Als Wieandt im Herbst angesprochen wurde, „habe ich kurz überlegt und mich in die Pflicht nehmen lassen“, sagt er selbst und bereute es bis heute nicht. Auch wenn ihm die Diskussionen über Deutschlands wichtigsten Staatsbanker schon manchmal auf die Nerven gehen. Das gehört einfach zum Job.

Vielleicht liegt ihm die Sanierungsarbeit aber einfach im Blut. Denn Axel Wieandt tritt in die Fußstapfen seines Vaters Paul, der vor gut zwei Jahren starb. Paul Wieandt hatte sich einen Ruf als erfolgreicher Bankensanierer erworben. In den 80er-Jahren führte Axels Vater die Landesbank Rheinland-Pfalz aus der Krise, in den 90er-Jahren die Gewerkschaftsbank BfG, die er anschließend an die schwedische SEB verkaufte. Und zuletzt sanierte er das bayerische Privatinstitut Schmidt Bank und arbeitete als Nothelfer für die Frankfurter Sparkasse. Nun hat Sohn Axel den Staffelstab übernommen.

Der 42-Jährige sieht auf den ersten Blick aus, als könne er kein Wässerchen trüben. Eigentlich ist er der Typ Liebling aller Schwiegermütter. Kurz gescheitelte Haare, blaue Augen, dicke Hornbrille und gut sitzender Anzug – wie aus dem Ei gepellt. Doch das ist rein äußerlich. Es steckt weit mehr in ihm. „Er ist an seiner Aufgabe gewachsen, seit er den Feuerwehrmann bei der HRE gibt“, sagt ein Banker. Der Untersuchungsausschuss zur Hypo Real Estate in Berlin und die Hauptversammlung Mitte des Jahres haben ihre Spuren hinterlassen, auch wenn man es Wieandt nicht ansieht.

Und es liegt noch viel harte Arbeit vor ihm. Zunächst steht in den nächsten Wochen der Umzug der Bank an. Von bester Lage im Münchener Lehel, zwischen Isar und Englischem Garten, zieht die HRE in den Vorort Unterschleißheim. Nichts bleibt übrig von der Großmannssucht, die die HRE fast in die Pleite getrieben hätte. Zurück zu den Wurzeln, Kosten sparen, Geschäft konzentrieren, Bilanz schrumpfen. Keine Rede ist mehr von Zielen, die eine zweistellige Rendite auf das Eigenkapital zur Vorgabe haben. Auch privat kann Wieandt sich den Veränderungen nicht entziehen und wechselt die Adresse. Künftig wird er mit Vorstandskollegen am Morgen nicht mehr durch den Englischen Garten joggen. Er muss sich neue Laufwege in Unterschleißheim suchen.

Axel Wieandt

1966: Axel Wieandt wird am 19. September in Bochum in eine der einflussreichsten deutschen Bankiersfamilien geboren.

1990: Abschluss des BWL-Studiums an der Privatuni WHU-Otto Beisheim School of Management in Vallendar

1993: Promotion, dann Berufsstart beim Beratungsunternehmen McKinsey mit Stationen in Düsseldorf und Boston

1997: Wechsel zu Morgan Stanley nach London

1998: Wechsel zur Deutschen Bank nach Frankfurt

2000: Aufstieg zum jüngsten Bereichsvorstand bei der Deutschen Bank

2003: Chef des Bereichs Corporate Investments

2008: seit Oktober Vorstandschef des Münchener Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE)

Robert Landgraf
Robert Landgraf
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