HRE-Chefin Better: Prügel von allen Seiten

HRE-Chefin Better
Prügel von allen Seiten

Manuela Better, die Chefin der Hypo Real Estate, kommt um einen Auftritt im Finanzausschuss herum. Sie muss nicht in die Höhle des Löwen. An ihrer Stelle werden andere auf die Fragen der Abgeordneten antworten müssen. Angeschlagen ist die Managerin dennoch – und ersetzen möchte sie derzeit niemand.
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FRANKFURT. Eigentlich hätte in ihrem Terminkalender für morgen dick stehen müssen: „Auftritt Finanzausschuss Bundestag“. Doch der Kalender von Manuela Better, Chefin der künftigen Deutschen Pfandbriefbank, die die Nation besser unter Hypo Real Estate kennt, verzeichnet keinen solchen Eintrag. In Berlin werden an ihrer Stelle Vertreter des Finanzministeriums und des Bankenrettungsfonds Soffin den Abgeordneten Rede und Antwort stehen. Better soll nicht in die Höhle des Löwen.

Carsten Sieling, Finanzexperte der SPD, ärgert das. Seine Fraktion hatte die Bankchefin zum Gespräch gebeten, nachdem weitere Unterstützung und großzügige Gehaltszahlungen bei der Hypo Real Estate (HRE) bekannt geworden waren. „In dieser heiklen Situation für die HRE ist es für mich unabdingbar, dass jemand kommt, der Verantwortung trägt“, schimpft Sieling. Vergebens. Better muss geschützt werden, denn es gibt derzeit niemanden, der die zierliche Dame ersetzen möchte.

Ihr Vorgänger, Deutschbanker Axel Wieandt, hatte am Abend vor der Bilanz-Pressekonferenz im Frühjahr überraschend hingeworfen. Genau der jetzt neu entbrannte Streit über Bonustöpfe für die Mitarbeiter und die strengen Haftungsregelungen, die der Soffin ihn unterschreiben lassen wollte, hatten ihn dazu veranlasst. So erreichte Better der Anruf von Aufsichtsratschef Bernd Thiemann zu später Stunde. Am Morgen darauf saß sie im grauen Kostüm und mit ernster Miene bei der Bilanz-Pressekonferenz auf dem Podium. Als frisch gekürte Interimschefin verlas sie die Rede, die für Wieandt geschrieben worden war.

Wer Better auf diese Nacht anspricht, erntet eisiges Schweigen und fängt Blicke auf, die schnell zur Decke wandern. Wieandts Feuerwehreinsatz, den er abbrach, bevor der Brand gelöscht war, ist ein wunder Punkt. Jüngst hat die Bankenaufsicht BaFin Zweifel an der Eignung von Betters Vorgänger geäußert, als es darum ging, ob der wieder eine Bank leiten könne. Damit steht fest: Die HRE ist alles andere als karrierefördernd. Auch Better kann sich eher die Finger verbrennen, als dass sie da heil herauskommt, lautet ihre Lehre aus dem Schicksal Wieandts.

Was tun? Die Flucht nach vorn ist missglückt. Die HRE wolle früher als bisher geplant aus der Verlustzone kommen, hatte Better in einem Anfall von Optimismus Anfang September auf einer Handelsblatt-Tagung gesagt. Unmittelbar danach wurden 40 Mrd. Euro an zusätzlichen Garantien des Bundes fällig. „Das war ein gefundenes Fressen im politischen Berlin“, heißt es in Finanzkreisen. Jetzt steht sie als Frau da, die nicht hält, was sie verspricht – dabei hatte sie sich nur in den Feinheiten des HRE-Geschäftsmodells verloren.

Folgt auf die Nacht ihrer Inthronisierung demnächst die Nacht ihres Abgangs? „Ich würde mich selber als zäh bezeichnen“, sagt die 49-Jährige. Was ihr fehlt, ist politische Erfahrung. „Die Lernkurve ist aber steil“, hofft einer aus ihrem Umfeld.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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