HSBC-Chef John Bond
Cheerio, Mr. Bond!

Als Sir William Purves die britisch-asiatische Großbank HSBC verlässt, trauert die Branche dem scheidenden „Executive Chairman“ nach. Purves hat mit Akquisitionen die weltweite Präsenz der Bank verstärkt und gleichzeitig die Profitabilität erhöht. Die Bank genießt Weltruf. In scharfem Kontrast dazu steht die Bescheidenheit des HSBC-Chefs.

HB LONDON. Meist reist Purves zweiter Klasse, und er schneidet sogar Zeitungskupons aus, um sein Budget aufzubessern. Kurz, er hat Charisma. Für die Journalisten ist klar: Sein 56-jährige Nachfolger tritt ein schweres Erbe an.

Wir schreiben das Jahr 1997. Der Nachfolger heißt John Bond. Er treibt die Expansion voran. Übernahmen in Amerika, Europa und Asien. Und das bei steigenden Kapitalrenditen von mittlerweile weit über 20 Prozent. Bond ist bescheiden. Zur Arbeit fährt er mit der U-Bahn. Wer ihn anruft, bekommt ihn meist gleich an den Apparat. Der Mann mit dem weißen Haar gilt als Visionär der Bankenszene. Er hat Charisma. Seine Auftritte sind ein Genuss. Auf jeder Hauptversammlung in den vergangenen Jahren tritt ein älterer Aktionär ans Mikrofon und lobt mit zittriger Stimme, wie charmant Bond wieder durchs Programm leite.

Nun steht sein Abschied fest. Sir John Bond, wie sein Vorgänger mittlerweile geadelt, scheidet zur Hauptversammlung Ende Mai 2006 aus dem Amt – nach 45 Jahren Betriebszugehörigkeit. Die Journalisten sind sich einig: Bonds 57-jähriger Nachfolger Stephen Green tritt ein schweres Erbe an.

Same Procedure. Seit 140 Jahren gleichen sich die Bilder. Seit der Gründung der Hongkong and Shanghai Banking Corporation im Jahr 1865 folgt der Wechsel an der Spitze der Großbank dem traditionellen Muster: Der Mann an der Spitze scheidet aus, und in einer langen Reihe rücken die langgedienten Banker aus dem Haus jeweils eine Stufe nach oben. Die wichtigsten Aktionäre werden Wochen vor der Ankündigung diskret auf die Personalie vorbereitet. Nichts dringt nach außen.Der reibungslose Ablauf ist schon bemerkenswert. Bei anderen Instituten bricht vor einem Wechsel in der Chefetage regelmäßig das Hauen und Stechen aus. Monatelange Machtkämpfe führen nicht selten dazu, dass frustrierte Verlierer das Haus verlassen.

Mag das Bild bei HSBC auch diesmal nicht ganz stimmen – Bond und seine Kollegen haben sich durchaus alternative Kandidaten angeschaut. HSBC schafft aber das, wovon andere Banken lediglich sprechen: Corpsgeist unter den Chefs. Das färbt ab. Analysten und Journalisten begleiten Bonds angekündigten Rückzug mit warmen Worten. Der „Unersetzbare“ zieht sich zurück – was wird nun aus der Bank? Nüchtern betrachtet, wird sie sich weiter entwickeln. Dennoch schafft Bond etwas Besonderes: Er kauft in seiner Zeit an der Spitze mit mehr als drei Dutzend Akquisitionen im Volumen von rund 50 Milliarden Dollar so viel wie kaum ein Bankenchef vor ihm. Er gewöhnt die Bank zudem an Risiken. Und er hat großen Erfolg. Sein prestigeträchtigster Coup ist die Übernahme des amerikanischen Konsumfinanzierers Household International für fast 15 Milliarden Dollar. Skeptiker warnen vor dem hoch riskanten Institut. Household bedient eine andere als die HSBC-typische gehobene Klientel. Der Kauf markiert eine radikale Abkehr vom traditionellen HSBC-Schema: konservative Institute, konservativ bewertet.

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