HSY-Chef Reinhard Kuhlmann
Gewerkschafter am Ruder

Reinhard Kuhlmann hat im Küstenstädtchen Skaramanga bei Athen ein kleines Wunder vollbracht: Er machte aus der Werft HSY ein griechisches Thyssen-Schmuckstück. Nach 25 Verlustjahren schreibt die in der Branche als „versiffter Staatsbetrieb“ verschriene Werft wieder schwarze Zahlen.

SKARAMANGA. Am liebsten würde Olaf Berlien, der oberste Werftenchef von Thyssen-Krupp, die Biotechnologie bemühen, geht es um Reinhard Kuhlmann: „Wenn ich könnte, würde ich ihn klonen“, lobt er den Präsidenten der Hellenic Shipyards (HSY).

So ungewöhnlich wie das Lob vom Chef ist auch die Vita des 60-Jährigen. Bis der Konzern ihm Anfang 2005 erst das Personalressort im Vorstand der Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) in Hamburg und vier Monate später den schwierigen Managerposten in Griechenland anbot, saß Kuhlmann auf der anderen Seite des Schreibtischs. Nach 18 Jahren in leitenden Positionen für die IG Metall hatte er es bis zum Generalsekretär beim Europäischen Metallarbeiter-Bund in Brüssel gebracht. Die Berufung eines Gewerkschaftsfunktionärs ins Topmanagement von TKMS löste prompt Spekulationen aus. Nicht nur bei der Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) in Kiel, die erst seit 2005 zum Werftenverbund gehört, deutete man dies als Signal, dass Thyssen-Krupp seine Werften an französische Rüstungskonzerne weiterreichen werde.

Vielleicht liegt es an Kuhlmann, dass es anders kommt. Der kleine, freundliche Herr mit der halbrunden Brille stopfte die Lecks, durch die Anzahlungen für Schiffsneubauten aus dem Unternehmen flossen. Auch Betriebsräte fanden nichts dabei, Gelder aus der Firmenkasse für den Kauf von Eigentumswohnungen abzuzweigen.

Diese Zeiten sind vorbei, ebenso wie die Ära unterschiedlicher Kulturen. Grundkenntnisse in griechischer Geschichte und den Landesgewohnheiten sind Pflicht für deutsche Manager auf dem Weg nach Skaramanga. Auch die drei rivalisierenden Gewerkschaften hat er gebändigt. Immer wieder hatten sie früher die Produktion per Streik lahm gelegt.

Kuhlmann, der abwechselnd zwei Wochen im Monat bei TKMS in Hamburg und in Skaramanga arbeitet, hat sich das Ziel gesetzt, HSY „zur wettbewerbsfähigsten Werft im Mittelmeerraum“ zu machen. Chancen rechnet er sich neben dem Marineschiffbau im Reparaturgeschäft und bei anspruchsvollen Umbauten auch von Handelsschiffen aus. Er setzt darauf, dass Berlien ihm weitere 60 Millionen Euro für die notwendigen Investitionen bewilligt.

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