Hubertus Meyer-Burckhardt kontrolliert künftig Pro Sieben Sat 1
Döpfners Mann für schwierige Fälle

In den letzten Tagen liefen die Drähte zwischen dem Springer-Hochhaus in Berlin und dem Münchener Nobelhotel Mandarin Oriental heiß. Die beiden Gesprächspartner, der Medienmilliardär Haim Saban und Springer-Chef Mathias Döpfner, sind sich am Schluss einig. Springer erhält einen zweiten Sitz im Aufsichtsrat der Senderfamilie Pro Sieben Sat 1. Der neue Mann im Kontrollgremium heißt: Hubertus Meyer-Burckhardt.

HAMBURG. Bisher fiel der Vorstand für elektronische Medien und Buch bei Springer vor allem durch eines auf: durch Schweigen. Meyer-Burckhardt gab keine Interviews. Selbst der Zusammenbruch des Medienimperiums von Leo Kirch lockte den sonst so beredten Manager nicht aus der Reserve, obwohl Europas größter Zeitungskonzern eng mit Kirch verbunden war. Springer gehören 11,5 Prozent an den ehemaligen vier Kirch-Sendern Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N24.

Das Schweigen machte aus Sicht des langjährigen ARD-Talkmasters Sinn. „Meine Haltung war bisher: Mach’ zuerst einmal die Hausaufgaben“, sagt der 47-Jährige in seinem schlicht weiß eingerichteten Büro am Axel-Springer-Platz 1 mit einer uralten Klimaanlage, die sich schlecht regeln lässt.

Zu seinen Hausaufgaben gehörte es, unrentable und strategisch unwichtige Firmen zu verkaufen oder zu sanieren. Ein schwieriger und undankbarer Job, den ihm Döpfner übertragen hatte, um den „Bild“-Konzern wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. „Meyer-Burckhardt hat sich bei Springer fast selbst wegrationalisiert“, sagt ein Münchener Insider der Film- und Fernsehbranche.

Aber der gebürtige Nordhesse fackelte nicht lange, als er im Dezember 2001 in das oberste Führungsgremium der Axel Springer AG berufen wurde. Der Mann, der sich im Gespräch bescheiden gibt – sich jedoch „sehr gut selbst zu verkaufen weiß“, wie es in Produzentenkreisen heißt – erwies sich als harter Sanierer.

Im Eiltempo veräußerte er Beteiligungen, die nicht unmittelbar zum Kerngeschäft gehörten. Für den gelernten Historiker sind Bücher zwar „ein Grundnahrungsmittel“. Doch als Manager hatte er keine Probleme, die drittgrößte Buchverlagsgruppe in Deutschland, Ullstein-Heyne-List, an Bertelsmann zu verkaufen. Und als erfolgreicher Filmproduzent, der das Geschäft bei der Münchener Filmhochschule lernte, verkaufte er kürzlich TV-Firmen an das Studio Hamburg. Damit nicht genug. Demnächst stehe der Verkauf des Weltkunst-Verlags und der TV-Produktionsfirma Schwartzkopff bevor, kündigt er an.

Wie sieht seine bisherige Bilanz aus? Letztes Jahr schloss sein Geschäftsbereich Elektronische Medien bei einem Umsatz von 117 Millionen Euro noch mit einem Verlust von 18 Millionen Euro ab. „Besserung ist in Sicht“, versichert er jetzt in seinem Büro und lässt seinen Blick über das Hamburger Häusermeer in die Ferne schweifen. An diesem Donnerstag gibt es Klartext, wenn Springer seine Halbjahreszahlen vorlegt. Eines ist für ihn sicher: „Wir werden ,Bild.T-Online’ bis Anfang des nächsten Jahres in die schwarzen Zahlen führen.“ Der Erfolg sei nicht nur auf Kostensenkung zurückzuführen, „sondern auf Kreativität und Phantasie“.

Mit seinem früheren Nebenjob als TV-Moderator und Erfinder von Sendungen wie der ARD-Sonntagsshow „Sowieso“ hat Meyer-Burckhardt vor zwei Jahren abgeschlossen. „Mein Hobby Moderation vermisse ich nach den vielen Jahren nicht.“ Der Medienmanager braucht den öffentlichen Applaus nicht mehr.

Glanzvolle Auftritte überlässt er lieber seinem Chef Döpfner. Bei Empfängen wie im vornehmen, holzvertäfelten Springer-Club steht Meyer-Burckhardt lieber am Rande und plaudert unverbindlich. Auch bei der letzten Hauptversammlung im obersten Stockwerk des Berliner Springer-Hochhauses lächelte er und schwieg charmant, während die Anwälte von Leo Kirch – damals Springer-Gesellschafter und Aufsichtsratsmitglied – den Vorstand nach allen Regeln der Kunst fertig machen wollten.

Meyer-Burckhardt, der sich mit seinen Firmenverkäufen nicht nur Freunde gemacht hat, baut lieber Neues auf, als nur die Rolle des Troubleshooters zu spielen. Das hat er als Unternehmer bewiesen. Als Filmproduzent heimste er mit Streifen wie „Das Urteil“ (mit Klaus Löwitsch) drei Grimme-Preise ein. „Ich bin ein Mann der Inhalte, aber ohne verbissene Mission“, sagt er über sich und verliert die Rendite nicht aus den Augen.

Sein jüngstes Projekt „Mein letzter Film“ – ein vom Frankfurter Schriftsteller Bodo Kirchhoff geschriebener Monolog mit Hannelore Elsner – sendet die ARD am zweiten Weihnachtstag. Dann ist mit der Filmerei Schluss. „ ,Mein letzter Film’ wird auch mein letzter Film“, kündigt Meyer-Burckhardt an. Als Sanierer hat er bei Springer schließlich noch genug zu tun.

Und jetzt muss er die krisengebeutelte Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 als Aufsichtsrat kontrollieren. Konflikte mit dem neuen Mehrheitsaktionär Haim Saban werden angesichts des knappen Geldes nicht ausbleiben. Aber mit schwierigen Partnern hat Meyer-Burckhardt nach dem Streit zwischen Springer und Kirch schon so seine Erfahrungen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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